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gemacht. Man konnte das wohl glauben, wenn man ſah, wie in ihrem jetzigen Alter von ſiebzig Jahren ihr Geſicht noch immer einen edlen, ſchönen Ausdruck be⸗ wahrte und ihre hohe Geſtalt fortwährend anſehnlich und ungebeugt war. Nach uralter Mode trug ſie eine Haube, unter welcher um die Schläfe und über der Stirn kleine Löckchen hexvorſahen. Alle Sachen, die ſie täglich gebrauchte, hatten ihre eigenen, oft höchſt intereſſanten Geſchichten, die ich ſo oft angehört hatte, daß ich ſie aus⸗ wendig wußte. Der Stuhl, auf dem ſie ſaß, war in der Familie erblich und ſtammte wer weiß von welchem Urgroßvater her. Die ſilberne Brille hatte einem fran⸗ zöſiſchen General gehört, der in den Kriegen der Revo⸗ lution eines Abends zum Tode verwundet in die Pfarr⸗ wohnung gebracht wurde, wo er nach einigen Wochen ſtarb. Der Franzoſe muß ein arger Heide geweſen ſein; meine gute Großmutter erzählte, wie entſetzlich er An⸗ fangs über Alles geflucht habe; ſie ſetzte aber nicht ohne Stolz hinzu, daß in ihrer ſtillen, chriſtlichen Wohnung ſein Herz ſich bald beruhigt habe und er ſanft und ſelig verſchieden ſei. Beſonders große Stücke hielt ſie auf eine kleine goldene Tabacksdoſe, die ſie ebenfalls in Kriegs⸗ zeiten von einer Gräfin erhalten hatte, welcher ihr Ehe⸗ herr einen weſentlichen Dienſt geleiſtet.
Wie geſagt, ſtand ich mit der Großmutter nicht im⸗— mer auf dem beſten Fuß. Ihr war der Lärm und der


