der warmen Sommerluft, eine Täuſchung, die noch voll⸗ ſtändiger wurde, da man in dem hohen und weiten, ein⸗ fach, aber ſehr geſchmackvoll eingerichteten Gemache weder Ofen noch Kamin ſah, und ſich doch durch die Wirkung einer nicht ſichtbaren Luftheizung von der ſanfteſten, wohl⸗ thuendſten Wärme umgeben fühlte.
Die Frau Gräfin Mutter ſaß nicht weit von dem oben erwähnten Fenſter in einem Stuhle, der eine ſo hohe und breite Rückenlehne hatte, daß man von ihrer Geſtalt nicht das Geringſte bemerkte als jetzt, auf die Mel⸗ dung der Kammerfrau, eine an der Seite erſcheinende feine weiße Hand, welche durch eine leichte Bewegung den Arzt willkommen hieß und ihn dann ebenſo erſuchte, näher zu treten, worauf Doktor Flinder in der Art eines Mannes, der ſich hier vollkommen heimiſch fühlt, neben den Stuhl der alten Dame trat, und ſie mit einer freund⸗ lichen Verbeugung begrüßte; auch kaum darauf wartete, bis ihn eine zweite Handbewegung einlud, ſich eines klei⸗ nen Seſſels in der Nähe zu bedienen.
„Zuerſt entſchuldigen Sie mich, mein lieber Herr Doktor,“ ſagte die Gräfin,„daß ich Sie bei dieſem rauhen Wetter einer Bagatelle wegen rufen ließ.“.
„Was durchaus keiner Entſchuldigung bedarf, Er⸗ laucht, denn das Wetter iſt nicht rauher, als es in dieſer Jahreszeit zu ſein pflegt, auch bin ich gewohnt, unter⸗


