— 193—
„Dafür gibt es allerdings keinen Trank, aber Ver⸗ nunftgründe, die beſſer ſind; denken Sie nicht mehr an Telegramme oder dergleichen Dinge, horchen Sie auf das angenehme Sauſen des Windes und laſſen ſich Märchen von demſelben erzählen, oder bilden ſich ſelbſt welche, indem Sie in die ſpielenden Flammen des Kaminfeuers blicken.“
„Gewiß, das that ich auch vorhin, und die Flamme hat mir geſagt, daß ich heute noch Beſuch erhalte— darf ich Beſuche annehmen?—— wiſſen Sie, lieber Doktor,“ fuhr Roſenthal fort, als Jener lächelnd mit den Achſeln zuckte,„ich erwarte Beſuche, und Beſuche, die ich nicht abweiſen kann; ſeien Sie überzeugt, daß Seine Maje⸗ ſtät der König ſpäteſtens morgen Jemand herausſchickt, um ſich nach meinem Befinden zu erkundigen.“
„Ja in dem Falle,“ meinte der Doktor herzlich lachend, „kann ich Ihnen allerdings nicht verbieten, ſolch' wichtigen Beſuch zu empfangen,— jetzt muß ich aber meiner Wege ziehen, und empfehle Ihnen nochmals an, Ihre unge⸗ ſtümen Gedanken zu verabſchieden.“
„Wohin reiten Sie, Doktor?“
„Zu allerlei Kranken, von denen mich Manche drin⸗ gend erwarten,“ gab der Arzt zur Antwort, indem er ſich zum Gehen wandte.
„Welch' unterhaltendes Leben, Doktor! wenn ich nicht
Hackländer, Geſchichten im Zickzack. III. 13


