Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
Einzelbild herunterladen

— 190—

erhalten auf ein Telegramm, von dem ich überzeugt bin, daß es augenblicklich beantwortet wurde. Ambroſi iſt ſchon vor zwei Stunden nach Perlenbach gefahren, und könnte längſt wieder hier ſein.“

„O,“ ſagte Der am Kaminfeuer in einem ruhigen, faſt gleichgültigen Tone, indem er mit einer Reitpeitſche, die er in der Hand trug, ſanft an ſeine hohen Stiefel klopfte,„es gibt auch Beiſpiele, daß man Telegramme nicht augenblicklich beantworten kann, und ich wiederhole Ihnen nochmals, daß ich in meiner Eigenſchaft als Arzt Ihnen dringend anrathen muß, ſich durch zu erwartende Telegramme oder dergleichen, von denen es ja im Grunde gleichgültig iſt, ob ſie heute oder in einigen Tagen an⸗ kommen, nicht unnöthig aufregen zu laſſen.“

„Das iſt aber durchaus nicht gleichgültig,“ erwiederte der Andere ungeduldig,„da von dieſem Telegramm meine ganze Zukunft abhängt!“

„Möglich, aber was nützt der Gedanke an eine Zu⸗ kunft, wenn wir kaum die Gegenwart ſicher haben!“

„Ah, Sie ſcherzen, Doktor!“ rief der Kranke, indem er ſich zu einem Lächeln zwang;„eine leichte Schramme, wie ich das Vergnügen gehabt ſchon mehrere zu em⸗ pfangen.“

„Eine leichte Schramme?— bei Gott, Herr von Roſenthal, ich weiß nicht, was Sie unter Schramme ver⸗