— 186—
Jetzt, unter der weißen Schneedecke, welche ſich über die ganze weite Landſchaft einförmig ausbreitete, ſah man von dieſen Annehmlichkeiten begreiflicher Weiſe ſo gut wie gar nichts, und ſelbſt die Laub⸗ und Obſtbäume zeigten ſtatt ihrer ſommerlich angenehmen Geſtalt nur die ſchwärzlich⸗grauen Aeſte, ließen aber dafür von jedem Punkte des Gartens aus den Blick in die Ferne ſchweifen, und gewährten ſo den Anblick eines weiten, hügeligen Terrains, aus welchem man hie und da einen Kirch⸗ thurm mit ringsumher liegenden niedrigen Häuſern her⸗ vorragen ſah, was dem Beſchauer die Ueberzeugung gab, daß dieſe Gegend, ſelbſt im Gewande einer an⸗ deren Jahreszeit, wohl freundlich und lieblich, aber durch⸗ aus nicht von großer maleriſcher Schönheit ſein konnte. Nur gegen Norden erhob ſich das Terrain zu einem anſehnlichen Höhenzuge, der mit einem unabſehbaren dichten Walde gekrönt war, und der, wo er ziemlich ſchroff in's Thal abfiel, auf einer natürlichen Bergter⸗ raſſe die weitläufigen Gebäude eines alten Schloſſes zeigte, mit gezackten Giebeln unregelmäßig durcheinander gebaut, und einem hohen, über Alles hinwegragenden Thurme.
Das Schloß hätte eine jener maleriſchen Ruinen ſein können, eine verblichene Erinnerung aus alter Zeit, ſo trotzig und doch wieder ſo einſam und verlaſſen lag


