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„Sie urtheilen zu raſch, Gräfin Ferrner,“ ſagte die Königin unmuthig,„Graf Leo Wieneck, der ſich ſtets wie ein Edelmann in der ſchönſten Bedeutung des Wortes bewieſen hat, gab ſein Ehrenwort, und wies mit Ent⸗ rüſtung die eben gemachte Beſchuldigung zurück.“
„Euer Majeſtät werden mir allergnädigſt zugeben, daß ich dieſen Namen nicht genannt.“
„So müßte er denn doch auf einem anderen Wege
in jenes Zimmer gekommen ſein,“ bemerkte die Pommer⸗
hauſen, und ſetzte mit einem lauernden Blicke hinzu: „wie denken Sie darüber, Frau Oberſthofmeiſterin? Ihre Meinung muß maßgebend ſein, da Sie ja wohl am beſten alle Wege in der Nähe Ihrer Apartements kennen.“ 3
Das war nun allerdings ein ziemlich ſtarker Aus⸗ fall, den aber die Gräfin Wildenow mit größter Ruhe parirte, indem ſie lächelnd erwiederte:„Euer Excellenz trauen mir viel Scharfſinn zu, ich muß Sie aber verſichern, daß ich mich in keiner Weiſe um allenfalls vorhandene Schleichwege und dergleichen bekümmere, ſondern ſtets die offene und gerade Straße zu gehen pflege.“
Die Königin biß ſich leicht auf die Lippen, und gar deutlich klangen die Worte der alten Watters von dem geheimen Gange und der geheimen Thür in ihrem Innern wieder; doch hatte ſſie nicht den Muth, der ſtolzen und


