Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
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Schreibtiſches, nahm hier und dort Papiere heraus, was nach und nach einen anſehnlichen Haufen gab, den er alsdann in das flammende Kaminfeuer warf.

Alles dieſes that er mit einer heitern Miene, ja offenbar in guter Laune, und als er ſich nun eine Ci⸗ garre angezündet hatte und ſich an den Schreibtiſch ge⸗ ſetzt, auch Briefpapier zurecht gelegt und eine Feder er⸗ griffen, lächelte er vergnügt in ſich hinein, während er emſig ſchrieb.

Er brauchte wenige Minuten, bis er ſein Billet be⸗ endigt hatte, es geſiegelt und mit der Aufſchrift verſehen: Dem Herrn Lieutenant von Mittow.

Eigentlich hat es etwas Unheimliches, wenn man ſo als Verſtorbener an einen Lebendigen ſchreibt, und ich glaube, wenn der gute Mittow hintendrein erfährt, daß dieſer Brief vielleicht aus meinem Grabe an ihn gelangt iſt, ſo wird ihm dieß einige peinliche Stunden verur⸗ ſachen, vielleicht aber wird er es niemals erfahren, jeden⸗ falls aber dieſe Zeilen ihren Zweck erreichen.

Und nun ein anderes, wichtigeres und ernſteres Billet an Ellen; ich wüßte mir im ſchlimmeren Falle keine beſſere Teſtamentsvollſtreckerin, als gerade ſie, und glaube auch nicht, daß ihr Haß ſo weit gehen wird, das, was ich ihr nach meinem möglichen Tod anbiete, zu verſchmähen möglich wäre es allerdings, aber nein,