Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
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Leo am heutigen Abend zum erſten Male möglich war, mit einem wenn gleich flüchtigen Blicke in den Zügen ſeines Begleiters zu leſen. Der Prinz war auffallend blaß und um ſeine Lippen ſpielte ein nervöſes Zucken, auch durchmaß er das Zimmer mit raſchen Schritten, bald einen Blick in den Spiegel werfend, bald eine verſchloſſene und durch Bordüren verhüllte Thür be⸗ trachtend.

Leo Wieneck, der früher bei der Mittheilung des Prinzen und auf der Fahrt in dieſe ziemlich entlegene Gegend, beſonders aber bei dem Gang durch den ſo be⸗ quemen, einſamen Garten ſeine eigenen Gedanken über die Vortrefflichkeit, ſowie über die ihm als unnahbar ge⸗ ſchilderte Reinheit jener Dame hatte, und der von dem Gedanken nicht loskommen konnte, er befinde ſich trotz all' dem Geſagten hier auf einem für ihn nicht ganz un⸗ bekannten Terrain, mußte ſich doch geſtehen, daß das Enſemble dieſes Salons indeſſen durchaus nichts ver⸗ rieth, was ſein Mißtrauen rechtfertigte, und ebenſowenig der Anblick der Bewohnerin dieſer Räume, welche nun zwiſchen den Bordüren hervortrat und ſich den beiden Herren mit einer leichten, aber anmuthigen Verbeugung näherte. Er war eben ſo überraſcht als erſtaunt über ihren Anblick, er kam ſich plötzlich ſo alt geworden vor, oder als in ſtarken Banden gelegen, was der Wahrheit