Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
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„Ah, mein lieber Roſenthal, wie geht es Ihnen?“ „Im gegenwärtigen Augenblick ſo vortrefflich als möglich,“ antwortete Jener, wobei ſein Geſicht von Ver⸗ gnügen ſtrahlte..

„Kommen Sie näher, kommen Sie zu mir an's Fenſter— nach den trüben, regneriſchen Tagen, die wir gehabt haben, kann ich mich kaum ſatt ſehen an dem prächtigen Sonnenſchein, unter dem die faſt erſtorbene Landſchaft förmlich wieder aufleuchtet. Doch werden Sie das kaum mitfühlen,“ fuhr der König mit einem ſchalk⸗ haften Lächeln fort,„Sie, der den Sonnenſchein fliehend, die Nacht zum Tage macht, Ihrer Vergnügungen und auch Ihrer Studien wegen.“

Roſenthal verbeugte ſich tief, ehe er zur Antwort gab:„Der lachende Sonnenſchein kommt mir vor wie ein freundlicher, gemüthlicher Schwätzer, der uns aller⸗ dings hie und da ergötzt, deſſen allzu häufige Geſellſchaft man ſich aber gern unter dunklem Schatten, oder auch unter dem Schleier der ernſten Nacht entzieht.“

„Wenn Sie aber die Wahl hätten zwiſchen beſtän⸗ diger Nacht oder beſtändigem Sonnenſcheine?“

„So würde ich unbedingt die Nacht vorziehen, ſie iſt voll reizender Abwechslung; Wochen lang dauernder blauer Himmel mit hellem Sonnenſcheine muß uns in ſeiner Einförmigkeit langweilig werden, während die Nacht