Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
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„Ich, mein Fräulein? beim Himmel, ich begreife nicht—“

„O, Sie verſtehen mich vollkommen,“ erwiederte ſie mit einem Schmelz in der Stimme, der einem härteren Herzen, als dem des Oberſthofmeiſters, hätte gefährlich werden können,„o, Sie wiſſen es ganz genau, daß Sie hart in mein Lebensglück gegriffen und mich an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.“

„Mein Fräulein, Ihre Worte erſchrecken mich in der That; doch ehe Sie weiter reden, bitte ich Sie dringend, herzlich, ſich beruhigen zu wollen und mir das Vergnü⸗ gen zu machen, ſich einen Augenblick bei mir niederzulaſſen. Ihre Aeußerungen zielen auf etwas, das man nicht ſo in zwei Minuten beſprechen kann oder ſo im Flug, in aller Eile— deßhalb bitte ich dringend“— er hatte bei den letzten Worten raſch einen kleinen Fauteuil in die Nähe des Seſſels gerollt, von dem er ſich beim Eintritt der Dame erhoben, und nachdem er nochmals ſeine Bitte durch eine freundliche Handbewegung unterſtützt, ließ ſich die junge Sängerin langſam nieder unter einem auffal⸗ lend tiefen Athemholen, mit einem ſchmerzlichen Lächeln um die ſchönen Lippen— jeder Zoll eine geknickte Lilie.

———— ‚Nun ſehen Sie, mein verehrtes und liebenswürdiges Fräulein,“ ſagte Baron Tönning, nach⸗ dem er dicht vor ihr ſitzend vergeblich nach einigen paſſen⸗