Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
Einzelbild herunterladen

hängenden gelb und weißen Fahne an der hohen Stange auf dem Thurme über dem Mittelportal, und mit ſeinen triefenden Equipagen im großen Schloßhofe, welche dicht zuſammengedrängt, gegenſeitig Schutz ſuchend, in einer kompakten Maſſe daſtanden, und auf denen ſelbſt die Roſſelenker keine Luſt zu einem Austauſch freundſchaftlicher Gefühle verſpürten.

Auch das ſah heute Morgen ganz anders aus; da glänzten die Mauern auf der Sonnenſeite ſo freundlich und behaglich, da ſtrahlten die hohen Fenſter in faſt ausgelaſſener Luſtigkeit, und es war gerade, als ſeien die auf ihnen reflektirenden Sonnenlichter eben ſo viele gute und ſchlechte Witze, welche ſie ſich gegen die Vorüber⸗ ziehenden erlaubten. Da erſchienen die weiten Thore nicht mehr wie geſtern verdrießlich gähnend, ſondern heiter geöffnet unter einem wohlwollenden Lächeln. Drunten marſchirten die buntfarbigen Schildwachen wohlgemuth hin und her mit weithin leuchtenden Gewehrläufen und Bajonetſpitzen, und droben auf dem Hauptthurme buhlte ein angenehm liebenswürdiger, junger Morgenwind mit der koketten Flagge, die in zierlichen Wendungen ſo that, als ſei es ihr ſehr darum zu thun, ſich ſeinen kühnen Umarmungen zu entziehen.

Und faſt alle Welt war guten Humors, ſelbſt Seine Majeſtät der König, welcher heute gaͤnz beſonders vor⸗