Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
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ich bin; wie oft war ich dem Augenblick nahe, um den Pinſel aus der zitternden Hand zu werfen, ihr zu Füßen zu ſtürzen und ihr laut aufſchluchzend zu ſagen: ‚ich liebe Dich ich liebe Dich ich liebe Dich! um es gleich darauf tief und ſchmerzlich zu empfinden, daß ich zu viel Vernunft und zu wenig Muth habe, um das jemals zu wagen! Wer hätte aber auch Muth dazu gegenüber ihrem

edlen, reinen Blick ich bete dieſes Auge an, und zu gleicher Zeit fürchte ich mich vor ihm ja, wenn ich mich ihr leiſe ſchleichend nähern dürfte, wenn ſie mit geſchloſſenem Auge dort ruht, und ich ſicher wäre, daß ſie mich nicht verwunderungsvoll anſchaute, nicht zurück⸗ ſchreckte mit der Hoheit ihres Blickes, indem ich mich über ſie beugte und ihr zuflüſterte: ‚ich bete Dich an, o, ich habe ja nicht den verwegenen Wunſch, mit Dir leben zu wollen, ſondern nur mit Dir vereint drunten in dem ſtil⸗

len Waſſer zu ruhen!

Doch fort mit dieſen Gedanken, die mein Elend nur vermehren, die mich wahnſinnig machen könnten, wenn ich nicht noch die Kraft in mir fühlte, dieſe Gedanken zu verſcheuchen, ſprach er traurig zu ſich ſelbſt, nachdem er eine Zeitlang mit feſt übereinander gepreßten Lippen düſter vor ſich nieder geſchaut,lächer⸗ licher Thor, lache über Dich ſelber und gehe, ein ge⸗ horſamer Sklave, geduldig an Deine Arbeit auch