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ſowie an den grauen Winterhimmel emporzublicken— —„ſo oft ich ihr auch ankündigen will, daß dieß die letzte Sitzung ſei, daß ich ſie nicht mehr brauche, um das Bild zu vollenden, ich bringe doch niemals dieſe Worte über meine Lippen,“ klagte er mit leiſer Stimme,„und wenn ich mir auch ſelbſt einrede, es ſei nur die Leiden⸗ ſchaft des Künſtlers für jenes unvergleichliche Weſen, für ihre edlen, reinen Züge, für dieſe unendliche Ausdauer und Geduld, mit der ſie mir ſtundenlang ſitzt, weßhalb ſie mir vorſchwebt bei Tag und bei Nacht, wachend und träumend, ſo fühle ich doch gleich darauf an dem wilden Klopfen meines Herzens, wie höhnend mir dieſe Lüge in's Geſicht lacht, ja, ich liebe ſie— ich liebe ſie— wie man nur Etwas zu lieben vermag, und bin dabei glück⸗ lich wie ein Gott, und elend wie ein Narr. Wie viel Altäre habe ich mir hier in meinem armen Atelier in wahnſinniger Aufregung erbaut, um ſie zu verehren— um ſie anzubeten— dort jenen Divan, auf dem ihr ſchöner Körper ſtundenlang hingeſtreckt lag, das edle Geſicht rückwärts auf die Kiſſen geneigt! Wie oft habe ich dort gekniet, nachdem ſie kaum mein Atelier verlaſſen, um mit fieberhafter Glut mit meinen Händen Spuren von ihrem ſüßen Leibe zu entdecken! Wie oft habe ich meine Lippen gegen die Lehne jenes armſeligen Stuhles gedrückt, wo ihre Hand geruht— lächerlicher Thor, der


