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feines Diner. Aber nur ſieben Stühle waren beſetzt; auf dem Sitze des achten, ſich an die Rücklehne ſtützend, bemerkte man eine Reitpeitſche und einen kleinen Blaſe⸗ balg, welch' letzterer von dem hell lodernden Kamin des Speiſeſaals weggenommen worden war.
Eine Schale von violettem Kryſtall an einer Bronze⸗ kette, von der Decke herabhängend, bildete den Lüſter des behaglichen Gemaches vermittelſt dreier weißer Waſſer⸗ lilienkelche, denen die Gasflammen entſtrömten, und be⸗ leuchtete die reichbeſetzte Tafel, deren Kryſtall⸗ und Silber⸗ geſchirr jedoch ſchon ſehr in Unordnung gerathen war, da ſich das Diner ſtark in ſeinem letzten Drittel befand.
Bei Tiſche befanden ſich vier jüngere und zwei ältere Herren, und die Letzteren waren der Vater des Grafen Leo, der Staatsminiſter Wieneck, ein Mann mit einem ſchönen, intelligenten Geſichte, freundlichen, wohlwollenden, offenen Zügen und ſtark ergrautem Haar, in Haltung, Miene und Wort das vollendete Bild eines Ariſtokraten und Diplomaten aus der alten Schule. Graf Wieneck hatte bis vor Kurzem das Departement der auswärtigen Angelegenheiten geleitet und war zurückgetreten, weil die von ihm angeknüpften Verbindungen, die Heirath des Thronerben betreffend, mit einem benachbarten Hofe, die er auf Befehl des Königs geführt, durch den Kron⸗ prinzen ſelbſt, aus welchem Grunde wußte Niemand an⸗


