274 Neunundzwanzigſtes Kapitel.
wenn Sie Ihr tiefes Wiſſen nur dem allgemeinen Wohle gewidmet hätten!“
Hier zeigte ſich auf dem Geſichte des alten Herrn ein ganz eigenthümliches Lächeln, als er verſetzte:„Und ſoll ich Ihnen vielleicht ſagen, was aus mir geworden wäre? Ein armer Mann, ein Bettler! Wer hat mir Erſatz ge⸗ boten, als ich große Summen hier und da verlor, als ich Dampſſchiffe bauen ließ, als ich Waſch⸗ und Badeanſtalten einrichtete, als ich verſuchte, aus ordinärem Gußeiſen Stahl zu machen? Niemand! Der Narr hieß es, mit ſeinen ſchwindelhaften Projekten, dieſer unruhige Kopf, der nicht genug zuſammenſcharren kann!— Doch laſſen wir das jetzt,“ ſetzte er hinzu, einen Blick auf die Stand⸗ uhr über dem Kamine richtend,„unaufhaltſam rennt der Zeiger— der Zeiger dort, wie der unſerer Lebensuhr— was hilft alles vergebliche Klagen? Sind wir doch nicht im Stande, auch nur den hundertſten Theil der vorbei⸗ gezogenen Sekunde zurückzukaufen! Alſo vorwärts mit feſten Augen, bis unſere Stunde ausgeſchlagen hat!“
Der Polizeirath hatte die Mappe mit Bindfaden um⸗ wunden und ſorgfältig verſiegelt; er nahm ſie unter den
Arm und ſagte alsdann, ſich nach der Thür des Neben⸗ zimmers zurückziehend:„Beſorgen Sie Ihre Geſchäfte mit aller Bequemlichkeit, Herr von Rivola; ich warte


