236 Neuntes Kapitel.
„Welche Idee— warum er das Haus gerade jetzt verkaufen wolle!“
„Ich habe dir ſchon erzählt, daß ich neulich von ihm träumte— o, ſehr ſchmerzlich träumte! Ich ſah ihn in ärmlichen Kleidern bleich und zitternd die Stadt verlaſſen; er hatte nichts bei ſich, wie einen einzigen Stock, an dem er ſich mühſam fortſchleppte.“
„Solche Träume bedeuten immer das Gegentheil— o, er iſt ſehr reich, der gnädige Herr!“——
Und das war ja auch der Fall, wenigſtens mußte es jeder glauben, der Herrn von Rivola in dieſem Augen⸗ blicke ſah. Er war raſch in den oberen Theil der Stadt gelangt und ſah dort vor dem Laden des Hof⸗Juweliers ſeinen Schlitten halten. Wie freute ſich Frau von Rivola, wie entzückt war Lucy, als der gütige Vater ſie hier bei ihren Einkäufen überraſchte! Er kam gerade recht, um ſich von dem Juwelenhändler die Rechnung über die Ge⸗ genſtände, welche ſeine Frau ausgeſucht und ihm mit einem fragenden Blicke vorlegte, quittiren laſſen zu können; der Betrag war nicht groß, etwas über viertauſend Gulden.
Papa wurde aber darauf wieder lachend und in Gna⸗ den entlaſſen, denn die beiden Damen begaben ſich von hier zu der erſten Putzmacherin der Stadt, Madame Pau⸗ line, zu wichtiger, geheimer Berathung, bei welcher ihm unmöglich Sitz und Stimme bewilligt werden konnte. Doch


