210 Neuntes Kapitel.
fehlt, und wenn ich nicht hier und da einen anſtändigen Zuſchuß von meiner Mutter erhielte, ſo hätte ich mich ſchon längſt für inſolvent erklären müſſen, und würde mich auch durchaus nicht geniren, das dem Alten zum Aerger zu thun; aber meine geſellſchaftliche Stellung würde ebenfalls damit ſcheitern, und meine Anſtellung an der königlichen Bank gibt einen nicht zu verachtenden Kredit— leider habe ich denſelben in letzter Zeit ein wenig zu ſehr angeſtrengt.“
„Ich wollte vorhin ſagen,“ bemerkte Herr von Rivola mit freundlicher Miene,„daß ich mich aus meiner Jugend ebenfalls erinnere, Schulden gemacht zu haben, und zwar nicht unbedeutende Schulden, daß ich aber ſo klug war— Sie verzeihen mir den Ausdruck—, mich anſtatt an ſolche Wucherer an gute Freunde meines Hauſes zu wenden, an wohlwollende Leute, die ſelbſt gelebt haben und die ſich ein Vergnügen daraus machen, junge, anſtändige Leute aus kleinen Verlegenheiten zu ziehen.“
„Wo wären ſolche Phönixe zu finden?“ fragte Ferdinand achſelzuckend.„Glauben Sie mir, Herr Baron, ich habe ſchon rings um mich her geſchaut, um einen ſolchen Freund zu finden; aber die jungen Leute meiner Bekanntſchaft haben ſelbſt nichts, und zu den älteren Herren, die Einem allen⸗ falls helfen könnten, hat man doch nicht das nöthige Ver⸗ trauen.“
„Und warum nicht?“ fragte Herr von Rivola in ſo ausdrucksvollem Tone und mit ſo wohlwollendem Blicke,


