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müde Tag an ihrem Herzen entſchlummerte! Wie gut und ſanft war die Nacht, wie ruhig und ſtill, bis er wirklich feſt eingeſchlafen war! Dann warf ſie einen Blick auf den ruhenden Geliebten, bewegte geräuſchlos ihren Zauberſtab, rief ihre Genien und Fantome hervor, ermunterte ſie zu Tänzen und Geſängen, und hieß ſte die Seele des entſchlafenen Tages mit bunten Träumen umgeben. O ſie war ſchön die Nacht und freundlich! Wie oft bin ich an ihrer Bruſt entſchlum⸗ mert, und auch um mich flatterten die bunten Geſtalten, welche aus den Blumen empor ſtiegen, und die kleinen zierlichen Elfen, die hervor⸗ kamen aus dem ſilberhellen Bach. Wie oft legte ſich eine kleine Nixe an mein Herz, und ließ das ihre leiſe gegen das meine ſchlagen, und preßte mir einen glühenden Kuß auf die Lippen, daß ich oft im Traume geglaubt habe, es ſei die ſchöne Emma, deren Herz aber nie an dem meinigen ſchlug und die mich nie geküßt hat.
So ſchaute mein Geiſt in das dunkle Laubgewölbe des Gartens, welcher vor meinem Fenſter lag. Gewöhnlich aber ſpähte auch mein leibliches Auge hinein, ob ſich nicht irgend eine liebenswürdige Nach⸗ barin ſehen laſſe, die da in den ſchattigen Gängen herumſpazierte; denn eine ſolche Erſcheinung gehört zu der Wohnung, die an einem Garten liegt. Ich wußte, daß der vor meinem Fenſter einem reichen Kaufmann gehörte, welcher eine einzige, allerliebſte Tochter hatte, die ungefähr ſechzehn Jahre alt ſein mochte. Ich hätte mich ſehr gefreut, das liebliche Kind zuweilen zu ſehen; doch waren die Anlagen groß, und meine Wohnung lag ganz am Ende derſelben, deßhalb wurde mir dieſes Glück nie zu Theil. Ich hatte nicht im Sinn, irgend ein Ver⸗ hältniß anzuknüpfen oder auch nur den Verſuch zu machen; es hätte mich nur aufgeheitert und meine Phantaſie erfriſcht, ſo ein niedliches Weſen unter den Roſen umherflattern zu ſehen.
Endlich, nachdem ich ſchon alle Hoffnung aufgegeben, ward mein Wunſch erfüllt. Eines Abends lag ich im Fenſter; da ſprang über eine der Grasflächen, deren es viele im Garten gab, ein niedliches Reh, das ich ſchon oft bemerkt hatte, gerade auf meine Wohnung zu, blieb zuweilen ſtehen, und wandte den Kopf zurück, als necke es jemand, der ihm nachkäme. So war es auch; faſt athemlos, doch laut lachend lief hinter ihm die Tochter des Kaufmanns, dem Thiere: Fritz! Fritz! nachrufend. Nahe vor meinem Fenſter warf ſich das Mädchen auf eine Raſenbank, und lockte das Reh ſo lange, bis es kam, und ſich zu ſeinen Füßen lagerte. Es war eine allerliebſte Gruppe. Seit der Zeit kamen Beide oft in dieſe Gegend der Anlagen. Wenn meine Citelkeit auch noch größer geweſen wäre, als ſie wirklich war, ſo hätte ich doch unmöglich auf den Gedanken kommen können, als ſei ich ein Magnet geworden, welcher das liebliche Kind anzöge,


