Druckschrift 
Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

freien Platz das Geſuchte fanden, ein ſtattlicher Meiler, der jedoch ſchon ausgebrannt war und nur noch von Zeit zu Zeit aus der Spitze rauchte, weßhalb wir ihn auch nicht früher ſahen. Neben ihm lagen einige Gruben, die voll Waſſer waren, das zur Abkühlung der Kohlen gebraucht wird. Auch die Köhlerhütte lag in der Nähe, ſah mir aber doch ein wenig gar zu ärmlich und einfach aus. Sie beſtand aus zu⸗ ſammengeſtellten Baumſtämmen, die oben durch ſchwache Reiſer ver⸗ bunden waren und, mit Moos und Geſträuch verſtopft, ſehr dünne Wände gaben. Das Innere war durch einen Baumſtamm am Boden in zwei Theile getheilt, wovon der hinterſte das Lager des Köhlers, aus Laub und Moos beſtehend, enthielt, der vordere zur Küche zu dienen ſchien; denn zwiſchen drei Steinen waren Spuren von halbver⸗ brannten Kohlen und Holzaſche, neben der in einem Winkel ein Haufen Kartoffeln lag. Vor der Hütte ſtand die Wurzel eines Baumes, die oben glatt gehauen, eine Art von Stuhl gab, auf dem eine große Holzaxt eingehauen war; ein langer Schürbaum lehnte daneben. Doch war der Herr dieſer Geräthſchaften nirgends zu ſehen. Wir riefen einigemal in den Wald hinein, und hätten den Köhler in ſeinem ru⸗ ßigen Gewand gar zu gern zwiſchen den Bäumen hervortreten ſehen; doch warteten wir eine halbe Stunde vergebens, und ſahen uns end⸗ lich genöthigt, mit der Köhlerhütte zufrieden zu ſein und unſern Weg fortzuſetzen. In kurzer Zeit waren wir unten im Thale, wo das Dörf⸗ chen Reinerzau liegt, das jedoch nur aus einzelnen Häuſern beſteht, die an dem Arm der Kinzig, von dem ich oben ſprach, einem kleinen Bache, zerſtreut liegen. Siegmund ſagte mir, daß ſchon dieſer Bach zur Fortſchaffung von ziemlich großen Flößen in die Kinzig ſelbſt be⸗ nützt würde, die ſie dann weiter bis Kehl trägt, wo ſie auf dem Rhein zu größeren verbunden werden und nach den Niederlanden abgehen. Obgleich dieſer Bach viele Schleuſen hatte, war es mir doch unerklär⸗ lich, wie das Waſſer, das an den meiſten Stellen kaum die Kieſel bedeckte, im Stande ſei, einen Baumſtamm zu tragen, und ich würde mit einigen Zweifeln hierüber nach Hauſe zurückgekehrt ſein, wenn mich nicht zufälliger Weiſe der Augenſchein davon überzeugt hätte. Wir waren nämlich kaum einige hundert Schritte den Bach aufwärts ge⸗ gangen, ſo kamen uns in geſtrecktem Laufe mehre Flößer entgegen, ſtarke kräftige Menſchen, mit großen Stangen und Aexten bewaffnet, im runden Hut und kurzer Jacke, große lederne Stiefel, bis über die Knie hinaufgezogen, von denen ein Theil an den Schleuſen, die wir vor uns ſahen, ſtehen blieb, die andern mit einem Rufe bei uns vorbei ſtürzten. Wir traten ebenfalls näher, und erfuhren von dem Flößer, der die ſchwere Schleuſe, bei der wir uns eben befanden, allein auf⸗ wand, daß im nächſten Augenblick ein Floß kommen würde, und wirk⸗