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Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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len einmal auf gutes Eis, ſo kann man es doch nicht auf der Straße ſitzend und die Vorüberwandelnden betrachtend unter einem aufgeſpann⸗ ten Dache, das den Luftzug durchſtreichen läßt, genießen, ſondern man muß ſich in der dumpfigen Stube damit regaliren.

Doch ländlich, ſittlich; und wir haben ſo viel Schönes im deut⸗ ſchen Vaterland, daß man nur ſcherzweiſe die Vorzüge anderer Länder herbeiwünſchen kann, und ſo auch hier. Mitte September war es alſo entſetzlich heiß. Ich hatte keine Luſt zum Arbeiten, und ſchlenderte entweder dicht an den Häuſern hin, das Bischen Schatten, das da zu finden war, aufſuchend, oder lag zu Hauſe, mich mit kaltem Brun⸗ nenwaſſer kühlend. Da trat eines Tages mein Freund Siegmund in meine ſtille Klauſe, und trug mir nach den erſten Begrüßungen mit einem gelinden Fluch über die gräßliche Hitze eine Idee vor, die er⸗ friſchender war, als Eis und Sorbet.Weißt du was, ſagte er, wir wollen für einige Tage hinausgehen aus Stuttgart nach dem Neckarthal in den Schwarzwald, und uns dort unter die himmelhohen Tannen an irgend ein klares Bergwaſſer legen. Ich verſichere Dich, da iſt das Moos weich und kühl und unſer Blut rollt, wie der Quell ſelbſt, wieder friſch und lebendig. Lange überlegen iſt nie meine Sache geweſen, und ſo ſaßen wir denn am andern Morgen um fünf Uhr, nachdem ich um ein Haar die Poſtzeit verſchlafen hätte, im Eil⸗ wagen, der nach Freudenſtadt fährt.

Ach, ich hatte lange keinen Sommermorgen mehr im Freien erlebt! Ein Schauſpiel, das wir, weil es uns ſo nahe liegt und ſo wenig koſtet, ſo ſelten beſuchen. Die Sonne vergoldete die Spitzen der Bäume, und die Reben rings an allen Bergen bedeckte hie und da noch ein feiner Nebelſchleier; dabei der duftige Geruch des Graſes und des friſchen Laubes, das uns bald von allen Seiten umgab; denn wir ge⸗

ngten in kurzer Zeit nach dem Schönbuch, einem Walde, wie ſein Name ſagt, voll herrlicher Buchen. Er liegt ſchon auf der Höhe der Filder, eins ziemlichen Hochebene. Die Sonne warf ihre Strahlen quer über die Berge weg in den Schönbuchenwald, und ließ uns weit hineinſehen. Wie an ſo manchen Orten, hat auch hier in der herr⸗ lichſten Natur die Geſchichte oder ein einzelner Menſch ſeine blutigen Spuren hinterlaſſen; denn wenn wir ſie auch nicht ſahen, ſo ſteht doch etwas tiefer in dem Walde die von dem Volke ſogenannte Hutten⸗ Ciche, wo Hans von Hutten von der Hand des Herzogs Ulrich fiel. Mir hat dieſer Baum immer ſehr leid gethan, denn er kommt mir wie ein Menſch vor, der unſchuldig von dem Blute eines Ermordeten be⸗ ſpritzt wird, das in der Erinnerung der Welt immer an ihm kleben bleibt, und wie die Menſchen es machen, ſo betrachten auch vielleicht : umſtehenden Buchen die arme Eiche mit finſtern Blicken. Doch