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es ihnen Freude verurſacht. Der zieht gähnend durch’s 2 ſeeut ſich, wenn er wieder zu Hauſe ſein wird; denn er i
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„Nicht wahr, Sie finden ihn köſtlich?“ fährt der Unermüdliche fort. „Ach, Caub und die Pfalz, Bornhofen und die Brüder, es gibt nichts Schöneres.“— Bis hieher bleibt der lange Herr ſtehen; dann nimmt er, ohne zu antworten, ſeinen Regenſchirm unter den Arm, geht drei Schritte links, ſetzt ihn wieder hin und blickt wie früher in die Ge⸗ gend. Unſer Reiſender ſieht ihm überraſcht nach; doch glaubt er endlich, der lange Herr iſt ein vornehmer Herr, ein Prinz vielleicht oder ein hoher Adeliger, und da findet er es ganz natürlich, ſo en Bagatelle behandelt zu werden, ja ganz natürlich, und er würde ſich als ächter Deutſcher geärgert haben, hätte der Prinz oder Baron freundlich mit ihm geſprochen. Er zieht ſich langſam zurück, ſtets nach dem langen Herrn hinſchielend, und Arm und Körper bereithal⸗ tend, gleich eine Verbeugung zu machen, im Fall ſich der Herr noch einmal umſehen würde, dann ihn durch einen tiefen Bückling, wegen ſeiner Zudringlichkeit um Verzeihung zu bitten— dieß wäre doch ſeine Schuldigkeit. Dann geht er raſch zum Kellner.„Wer iſt der Herr dort mit der dicken Mütze und den weißen Schuhen?“
„Der da? ein Engländer.“
„So, wahrſcheiniich ein vornehmer Lord oder ſo ein reicher Mar⸗ quis?" 1.
„Im Gegentheil, ein ſehr armer, denn er hat heute Morgen eine halbe Portion Kaffee ohne Zucker genommen.“.
Nach dieſen Mittheilungen verwandeln ſich plötzlich alle Ideen unſeres Reiſenden.„So, kein Lord!“ murmelt er für ſich,„der grobe Kerl gibt mir keine Antwort, ſieht mich gar nicht an, ſo ein Stock⸗Engländer.“ Er geht einigemale bei dem langen Engländer vorbei und ſieht ihn veraͤchtlich von der Seite an.„Habe ich doch immer gehört, daß es kein arroganteres unangenehmeres Volk gebe, als dieſe Engländer, dieſe hölzernen Kerls, ohne Bildung und Le⸗ bensart.'s iſt doch ein häßliches Volk!“ Der halbe Tag iſt ihm da⸗ durch verdorben und in ſeinem Herzen keimen die ſchlechteſten Mei⸗ nungen, die ſchlimmſten Ideen über Alt⸗England.
Ach, und an dem Allem iſt der lange, freilich ſehr trockene Sohn Albions faſt unſchuldig. Er iſt ja nicht dem Aktenpulte oder Gott weiß was ſonſt für Banden entſchlüpft, und freut ſich nicht, in fri⸗ ſcher Luft und Morgenthau andere fröhliche Menſchen zu finden, denen er, wie der Deutſche, ſein Vergnügen mittheilen kann, das er em⸗ pfindet, wenn tauſenderlei Gegenſtände bei ihm vorbeifliegen. Er lang⸗ weilt ſich bei ſeiner Tour; das Reiſen iſt ihm ein Geſchäft, eine Ar⸗ beit, denn unter hundert Engländern reiſen vielleicht keine zehn, weil
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