230 Elftes Kapitel.
war es doch noch ſo hell, daß man eine gute Strecke der Umgebung deutlich überblicken konnte. Die feine glänzende Sichel des jungen Mondes ſchwebte im Oſten über einer faſt ſchwarzen Föhrenpartie und glitzerte anmuthig zwiſchen den fein gezackten Zweigen und Nadeln hindurch, gerade wie das Diadem der Nachtkönigin, die langſam hernieder⸗ ſchwebt, um in dem aufdampfenden Abendnebel den Spielen ihres luſtigen Hofſtaates zuzuſchauen.
Als der Major die Terraſſe betrat, glaubte er hier allein zu ſein, wenigſtens bemerkte er Niemand, und erſt als er dicht vor der Brüſtung ſtand, erblickte er in ſeiner Nähe einen Mann, der auf derſelben ſaß und den er bis jetzt nicht bemerkte, da ihn einer der dicken Kaſtanienbäume verdeckt.— Da es nichts Seltenes war, hier Jemand anzutreffen, ſo bekümmerte ſich auch Herr von Fernow nicht weiter darum, ſondern lehnte ſich an einen der Bäume und blickte auf die ſchattenhaften Buſchpartieen zu ſeinen Füßen. Sein Nachbar auf der Brüſtung ſchien mit In⸗ tereſſe den Mond betrachtet zu haben, doch wandte er ſein Geſicht dem neuen Ankömmlinge zu und begrüßte ihn durch höfliches Abnehmen des Hutes, ſowie durch den freund⸗ . lichen Wunſch eines guten Abends.
Herr von Fernow dankte und warf einen Blick auf den Daſitzenden. Es war ein anſtändig gekleideter, junger Mann, mit hübſchen, einnehmenden Geſichtszügen; er hatte den rechten Arm um das eiſerne Geländer geſchlungen, womit


