Der Künſtlerhof von Granada.
hier in dieſem irdiſchen Paradieſe ſterben zu dürfen. Dort liegt ſie vor uns mit ihren mächtigen, röthlichen Thürmen, von denen ſie ihren Namen hat, eingeſchloſſen durch halbverfallene Mauern, ein wunderbares Chaos von Gärten und Parkanlagen, Feſtungswerken, Trümmern von Paläſten, beſcheidenen Privathäuſern und armſeligen Hütten; nur wenige ihrer Thürme ſtehen noch auf⸗ recht da und die anderen ſind in ihren Trümmern noch ſchön und maleriſch, bedeckt mit freundlichem Grün, mit Feigenbäumen und Aloe, umklammert von Rebgewinde. So liegt die Alhambra vor unſern Augen wie eine rauhe Schale, die aber wunderbar Schönes in ihrem Innern verbirgt— wir werden Alles das ſehen, die Höfe und die Gemächer in fabelhaft mauriſcher Pracht, die Fiſch⸗ teiche mit Blumen umgeben, den Löwenhof mit ſeinem berühmten Brunnen und ſeinen leichten mauriſchen Arcaden. Und dann der köſtliche Mittelpunkt des Ganzen, der Garten der Lindaraja, im Herzen des Baues, mit ſeinen Roſen⸗ und Citronenbüſchen, wie ein Smaragd in goldener Einfaſſung. Rechts von der Alhambra liegt die Stadt, liegt Granada, ehrwürdig und doch jugendfriſch, durch⸗ flochten von friſchem Grün, durchrauſcht von kryſtallhellem Waſſer. Nach jener Seite hin erheben ſich in weiter Ferne die kahlen, ver⸗ brannten Felſenſtirnen der Sierra Elvira, eine prächtige Abwechs⸗ lung gegenüber den üppigen Reizen der Vega von Granada, welche ſich bis zum Fuße der Gebirge vor unſern Augen ausbreitet, jener blühenden Wildniß von Bäumen und Gärten und fruchtbaren Obſt⸗ wäldern, durch welche ſich der Kenil in ſilberner Schlangenlinie windet, ſein Waſſer rechts und links den alten mauriſchen Canälen mittheilt und ſie ſo in beſtändiges Grün kleidet; dort ſind die Gärten mit murmelndem Waſſer, die ſchattigen Laub⸗ und Bogen⸗ gänge, die kleinen, reizenden Wohnungen, für welche die Mauren mit ſolch verzweifelter Tapferkeit fochten— ſieht man doch heute noch an den Prachthäuſern und Hütten, welche nun von den Bauern bewohnt werden, die Spuren von Arabesken und anderen prächtigen Verzierungen, die uns erzählen, daß dieſe alten Mauern ſchönere


