308 Der Künſtlerhof von Granada.
Und auf welch herzliche, liebenswürdige Art erinnerte ſich die ſchöne junge Frau der Bekannten ihres Mannes und ihres Vaters, ja, auf ſo gewinnende Art, daß, als nun die Beiden nach der ele⸗ ganten Equipage eilten, der kleine Rafael, welcher tief in Gedanken verſunken war, beſtändig über Dieſes oder Jenes ſtolperte, während Walter ſeltſame Grimaſſen ſchnitt.
Eine Stunde darauf befanden ſie ſich auf dem Deck der kleinen Yacht, die den Namen Roderich führte, und dampften gen Süden.
Es war das eine entzückende Fahrt bei prachtvollem Wetter und ruhiger See. Als die Nacht kam, koſtete es die Freunde Mühe, ſich zu trennen, und beim erſten Strahle der Morgenſonne waren ſie ſchon wieder auf dem Verdecke, um das ſtolze Barcelona mit dem die Stadt beherrſchenden Montjuy zu betrachten.
Den dritten Tag in der Frühe erreichten ſie Malaga, von wo ſie auf buntgeſchirrten, kräftigen Maulthieren die Straße nach Loja einſchlugen, welche ſich ſtundenlang an jähen Felswänden hinaufwindet, ſchwindelerregend als Weg, prachtvoll aber durch die maleriſch zerklüfteten Felſen und den ſich immer vergrößernden Rückblick auf das unendliche Meer.
Nachdem die Reiſenden in Loja übernachtet, näherten ſie ſich am Nachmittage des anderen Tages dem Ziele ihrer Reiſe. Doch ging die Sonne ſchon unter, als ſie ſich endlich Granada ſo weit genähert hatten, um die charakteriſtiſchen Einzelheiten der verwor⸗ renen Häuſermaſſen dieſer Stadt erkennen zu können. Der ſchlechte Weg, auf dem die Maulthiere bisher nur mühſam gegangen waren, verwandelte ſich in eine gut erhaltene Straße, von Baumreihen und Büſchen eingefaßt, zwiſchen denen hier und da auch ſchon einzelne Häuſer ſichtbar wurden— und welche Bäume, welche Büſche, welch maleriſche Häuſer!
Wären unſere Freunde langſam durch Spanien nach dem Süden vorgedrungen, ſo hätten ſie ſich an Alles das nach und nach ge⸗ wöhnt; ſo aber erſchienen ihnen wie in einem Märchen mit einem Male die Wunder Andaluſiens hier in Granada, auf dem lieh⸗
———


