XLV. „Ich bin Dir nah', Du ahnſt es nimmer!“
Die lebenden Bilder waren in ſchönſter Vollendung an den er⸗ ſtaunten und mehr oder minder vergnügten Augen des ganzen Hauſes, der Diplomatie ſo wie einer zahlreichen Menge Eingeladener vorübergegangen. Die Decoration war über alle Beſchreibung prachtvoll und wirkſam geweſen, und wenn auch Herr Schlegel am Abende der Vorſtellung nicht auf das Sonnenlicht rechnen durfte, ſo hatte er ſich doch in anderer Art zu helfen gewußt, die Coſtumes waren reich und geſchmackvoll und die mitwirkenden Perſonen hatten ſo vortrefflich geſtanden, daß ſie jeder Statue Concurrenz hätten machen können. Man hatte die alte Baronin von Stockhaußen durch einige paſſende Worte zur Vernunft zurückgebracht, und wenn ſie ſich auch mit tiefem Seufzer die Kneifbrille auf ihre knöcherne Naſe drücken ließ, dabei in Einem fort betheuernd, es werde ihr nicht gelingen, eine alte Perſon darzuſtellen, denn die Zeit, wo ſie als jugendliche Erſcheinung mitgewirkt, liege noch gar zu nahe, ſo gab ſie doch die vertrocknete Spinnerin mit einer ſolchen Wahrheit, daß ſelbſt ihr Gemahl, der Baron von Stockhaußen, gegen einen vertrauten Freund die Bemerkung nicht unterdrücken konnte, er habe noch nie eine vortrefflichere alte Hexe geſehen.
Und erſt die gelbe Tochter des Hofmarſchalls! An ihr hatte Fräulein Leonie Gerhold Wunder gethan; allerdings hatte ſich die


