298 Vierundvierzigſtes Kapitel.
zumal an Tagen, wie heute, wo ich weich geſtimmt bin, ja, wo ich mich beſtändig in einem Anfluge von Rührung befinde.“
„Und warum, mein lieber Rafael— iſt Dir etwas ſo außer⸗ ordentlich Angenehmes zugeſtoßen? Fängt Dein Chef⸗Redacteur endlich an, Deine großen Verdienſte zu begreifen, oder hat Dir Dein hartherziger Buchhändler einen Pfennig mehr für die Zeile bewilligt?“
„Auf ein ſo großes Avancement darf ich ſo bald nicht hoffen, und was meinen Chef⸗Redacteur anbelangt, ſo war er heute biſ⸗ ſiger, als je, und ſchnappte und biß in Einem fort, bildlich wenig⸗ ſtens, nach ſeiner ganzen Umgebung. Der Mann hat ſeine Be⸗ ſtimmung verfehlt— er hätte eigentlich ein Kettenhund werden ſollen; aber ich bin nicht Egoiſt genug, um mich nur über das Gute zu freuen, das mir begegnet, im Gegentheil, es macht mich auch glücklich, wenn ich weiß, daß Anderen eine Freude bevorſteht.“
„Nun, ſo wollen wir uns freuen, mein lieber Rafael, denn ich glaube, daß uns ein vortreffliches Eſſen bevorſteht— ſetzen wir uns— aha, Hunger haſt Du auch— ich habe Dich ſchon ein paar Mal darüber ertappt, wie Du nach der Thür ſchielteſt und Deine Uhr zu Rathe zogſt.“
„Im Gegentheil, Herr Rodenberg, was mich anbelangt, ſo würde ich mit großem Vergnügen noch warten und gern noch ein wenig plaudern, wenn es Ihnen genehm iſt.“
„Nein, nein, ich habe bedeutend Hunger— und mein Diner redlich verdient,“ ſetzte er nach einem tiefen Seufzer hinzu;„ich achte es auch für eine Belohnung, nach dem, was ich heute Alles erlebt, ſo angenehm ſpeiſen zu dürfen, mit Dir allein in einem ſo behaglichen Zimmer, und vor allen Dingen in meinem bequemen Sammtrocke. Läute dem Kellner, wenn es Dir gefällig iſt, der Kerl iſt heute wie eine Schnecke— ah, es lebe das Bißchen Frei⸗ heit, das ich zuweilen habe! Wie läßt doch Schiller ſeinen melancho⸗ liſchen Major in ‚Kabale und Liebe'’ ſagen,“ fuhr er fort, indem er ſeinen Rock aufknöpfte und weit von der Bruſt zurückwarf: „Gute Nacht, Herrendienſt!“
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