272 Dreiundvierzigſtes Kapitel.
er den jungen Mann an den Hof gebracht, ſeit er ſeine erſten Schritte geleitet und ſeitdem er ihm alsdann immer noch durch gute Winke, auch zuweilen noch durch leiſe Ermahnungen bei ſeinem Fortkommen behülflich war. Und dabei war er ehrlich genug geweſen, dem jungen Maler damals die beiden Wege zu zeigen, 3 welche vor ihm lagen, um auf dem einen mit Sicherheit, auf dem anderen vielleicht eine glänzende Carriére zu machen. Der letztere
war der Weg des Künſtlers, ein mühſamer, dornenvoller und weniger lohnender Weg, und ihn hätte auch Rodenberg unbedingt einge⸗ ſchlagen, wenn ihm bei dem anderen nicht ebenfalls ein künſtleriſches Streben möglich geweſen wäre und wenn er hier nicht die Ausſicht gehabt hätte, raſch die ſogenannten Höhen des menſchlichen Lebens zu erklettern.
Weßhalb es ihn da hinaufzog, wiſſen wir bereits und wollen auch nicht verſchweigen, daß der natürliche Ehrgeiz des ſtrebenden und mit dem Leben kräftig ringenden jungen Mannes es vorzog, ſich jener ſtarken Hand anzuvertrauen, die ihn raſch aufwärts führte, als in der mühevolleren Künſtlerlaufbahn einem Pfade zu folgen, der vielleicht doch nur die höchſte Höhe umkreiste, ſtatt auf ihre Spitze zu führen.
Dabei war ſein Beſchützer für ihn gleich gut, gleich beſorgt geblieben, hatte ihm weder Lob noch Tadel geſpart, hatte ihn über eingebildete Gefahren beruhigt, ihm dagegen wohl wirkliche Klippen und Abgründe gezeigt.
Daß eine der gefährlichſten Klippen in der Abneigung lag, welche die Mutter des regierenden Herrn gegen Rodenberg gefaßt hatte, und daß dieſe Klippe ihm früher oder ſpäter gefährlich werden, ja, ſeinen Untergang herbeiführen konnte, verſchwieg er ihm eben ſo wenig, als er ihm auch die beſten Anleitungen gab, ſein gebrech⸗ liches Schifflein zu ſteuern.
„Meine Schwägerin,“ hatte ihm der Prinz öfters geſagt, „welche natürlicher Weiſe jeden Einfluß eines Anderen auf ihren Sohn, den regierenden Herrn, mit ſcheelen Blicken anſieht, was ich


