Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Ich werde nicht mit Dir, Du Süße, rechten! 271

Einer der Letzten war Prinz Heinrich, dem Rodenberg dienſt⸗ fertig die große Flügelthür zur angränzenden Gallerie öffnete, über welche derſelbe in ſeine Wohnung gelangen konnte. Ehe der Prinz aber den Saal verließ, blieb er ſtehen, ſchaute dem jungen Manne einen Augenblick feſt ins Geſicht und ſagte nach einigem Beſinnen:„Beinahe hätte ich wieder vergeſſen, was ich Ihnen ſchon ſeit einigen Tagen ſagen wollte; kommen Sie einen Augenblick mit mir, wenn Sie Zeit haben. Guten Abend, Werdenberg— ich danke Ihnen!“

Nachdem der Prinz und Rodenberg hierauf die Gallerie, ſowie ein paar Corridore durchſchritten, gelangten ſie zu den Gemächern des Prinzen und hier in ein kleines, behaglich eingerichtetes Cabinet, das mit Kunſtſachen in ſeltenen Bronzen, Elfenbeinſchnitzereien, alten Waffen angefüllt war, deſſen reichſte Verzierung aber in einem wundervollen Bilde von Murillo beſtand, welches über einem breiten Divan hing.

Hier ließ ſich der Prinz nieder und bedeutete dem jungen Manne, ſich auf einen kleinen Fauteuil zu ſetzen, der an der Seite ſtand; dann lehnte er ſich in die Ecke des Divans zurück, faltete ſeine dünnen, weißen Finger in einander, und als er hierauf ſeine Augen ſchloß und den Kopf hinabſinken ließ, wurden die Züge ſeine Geſichtes ſchlaff, und er ſah alt, recht alt aus.

Die Jahre, welche zwiſchen jenem Carneval in Köln und dem heutigen Tage lagen, waren an Seiner Königlichen Hoheit nichts weniger als ſpurlos vorübergegangen, und gerade daß er ſich außer⸗ ordentliche Mühe gab, dies ſeine gewöhnliche Umgebung nicht merken zu laſſen, veranlaßte ihn zu einer Kraftverſchwendung, auf die dann häufig eine ähnliche Abſpannung folgte.

Er war plötzlich eingeſchlafen, und Rodenberg, welcher vor ihm ſaß, wartete, die Arme über einander geſchlagen, geduldig, wartete recht gern und wartete mit Liebe auf das Wiedererwachen ſeines Gönners und Freundes.

Ja, das Letztere war er ihm in vollem Maße geweſen, ſeit