Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Allen wohl und Niemand weh! 11

Der Teufel allein hatte ſeinem Charakter gemäß etwas Leben⸗ digeres, ja, Freundliches, Zuthuliches, indem er zuweilen ſein Pferd gegen einen Haufen Weiber lenkte, die von der Zuſchauermaſſe vor⸗ geſchoben waren, oder indem er hier und da hinauf an die Fenſter blinzelte, wo ſich hübſche Mädchenköpfe ſehen ließen. Schauerlich war dagegen der Tod anzuſehen mit einer gleich⸗ gültigen Ruhe in ſeiner zuſammengeſunkenen Haltung, und es machte in der That eine furchtbare Wirkung, wenn er zuweilen ſein Haupt erhob und mit dem bleichen Geſichte um ſich ſchaute vor dem Geſichte und vor dem Blicke wichen die Zuſchauer förmlich zurück. Langſam ging der Zug hinauf durch die nun überall mit Menſchen vollgepfropften Straßen bis zum Domhofe vor den Palaſt der Regentſchaft und der Carnevals⸗General⸗Verſammlung, wo ein Reiter aus dem Gefolge abſtieg und eine Depeſche des wilden Jägers abgab, worin derſelbe ſeine Hülfe zuſagte bei Vertheidigung der Luſt und Freude und bei Verjagung des Neides und des Griesgrams; dann ging's weiter nach der Marzellenſtraße und dem Eigelſtein, umringt und gefolgt von gewaltigen Zuſchauermaſſen, bis zum Thore der letzt⸗ genannten Straße, durch welches die wilde Jagd wieder ins Freie zog.

Hier aber wandte ſich der Tod langſam um gegen die nach⸗ ſtrömende Menge, die vor ihm erſchrocken zurückwich, und es war faſt wie Zauberei anzuſehen, als nun die Fackeln und Lichter draußen mit Einem Male erloſchen und ſich der geſpenſtiſche Zug, jetzt lauter ſchattenhafte Geſtalten, in der dunkeln Nacht verlor und die Er⸗ ſcheinung des Todes im langſamſten Schritte folgte.

Wenn auch der größte Theil der wilden Jagd hierauf vielleicht durch die Lüfte nach dem Odenwalde zurückkehrte, ſo müſſen wir doch, um bei der Wahrheit ſtehen zu bleiben, weiter berichten, daß der Rodenſteiner ſelbſt mit einigen ſeiner Geſellen kaum eine Stunde ſpäter, wenn auch in anderer Tracht, wieder unter den Lebenden erſchien, und zwar in dem uns wohlbekannten Salon des Hauſes Rheingaſſe 54, wo er ſchon längſt erwartet und mit großer Freude begrüßt wurde.

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