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XXXIII.
„Allen wohl und Niemand weh!“
Während ſich Jeder, der zu den Carnevalstagen nach Köln gekommen oder in der altehrwürdigen Stadt einheimiſch war, in der Zeit zwiſchen dem Weiber⸗Carneval und dem Faſchings⸗Sonn⸗ tage mit ſeinen eigenen Intereſſen beſchäftigte, ohne dabei die Be⸗ drängniß des Vaterlandes aus den Augen zu verlieren, hatte der Kleine Rath und die Regentſchaft, um den Muth der belagerten Bürger zu heben und das Volk durch einige außergewöhnliche Ereig⸗ niſſe zu zerſtreuen, ihr Möglichſtes gethan und auch zu dieſem Zwecke nochmals die dringendſte Aufforderung erlaſſen, es möchten doch einige patriotiſche Spione die außerordentliche Gewogenheit haben, ſich zu allgemeiner Zerſtreuung und Heiterkeit einfangen und aufhängen zu laſſen, zu welchem Zwecke ein ganz neuer und reich verzierter Galgen bei„Neu⸗Zintervilgen“ errichtet werden ſollte— umſonſt. Trotz aller Aufopferungsluſt und allem Heldenmuthe fand ſich doch Nie⸗ mand, welcher dem Kleinen Rathe in dieſer Bedrängniß durch ſich ſelbſt hätte auf dieſe Art zu Hülfe kommen mögen, und der Regent⸗ ſchaft wäre doch irgend ein unvorhergeſehenes Ereigniß zur Auf⸗
heiterung des Volkes und als Hoffnungspfand für die kommenden Tage gar zu erwünſcht geweſen.
So ſaß dieſelbe denn am Samſtage vor Carneval in der
Dämmerung des Abends betrübt um den leeren Thronſeſſel herum,


