O, ſtille dies Verlangen! 271
„Das weiß ich, verſetzte er traurig,„und da ich es weiß,
möchte ich Sie entführen, fern von den Menſchen, und gefangen
halten viele, viele Jahre lang!“
„Eine freundſchaftliche Idee— ich danke dafür!“
„Möchte ich Sie doch zu gern wieder in das Gebiet verſetzen, dem Sie ja als Fee des Waldes angehören, an eine murmelnde Quelle unter duftendem Schattendache, ach, an eine Stelle wie jene, wo ich ſo unendlich glücklich war!“
„Wer kann das Glück halten,“ gab ſie träumeriſch zur Antwort, „es flattert davon wie ein Sonnenſtäubchen!“
„Nein, wir können's nicht halten, wenn es einmal entflattert; aber es zurückzurufen liegt ja in unſerem Willen, wenn wir es mit aller Macht der Seele wollen!“
„Der Winter iſt gekommen, hat die Blumen getödtet und die Bäume entblättert; ſind Sie ein Zauberer, mächtig genug, um Alles rings umher wieder blühend und grün zu machen?“
„Nein, das bin ich nicht, aber was Sie eben ſagten, Juanita, iſt unrichtig. Der Winter iſt vergangen und es will Frühling werden; merken Sie das nicht an dem entzückenden Dufte, den die Erde ausſtrömt unter dem warmen Kuſſe dieſer Sonne?— Sehen Sie es nicht an den ſchwellenden Knoſpen der Bäume?— O, könnten Sie es fühlen an dem Klopfen meines Herzens—“
„Mein Herz, es klopft beweglich,
Es klopft beweglich wild.
Ich liebe Dich unſäglich,
Du ſchönes Menſchenbild! ſagt einer Ihrer Dichter,“ gab ſie lachend zur Antwort;„aber im Grunde haben Sie Recht!“ 1
„Warum, Juanita?“ fragte er raſch.
„Nicht im unſäglichen Klopfen Ihres Herzens, denn daran glaube ich leider immer noch nicht, aber im Gedanken vom an⸗ brechenden Frühling.“
„In unſerem Innern?“


