16 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
nützlich finden, mich anderswo hin zu dirigiren, anſtatt mir die Rückkehr hieher zu befehlen.“
„Und Dein Vater hätte nicht ganz Unrecht, Alfred; Deinen Zweck, Dich in der deutſchen Sprache zu vervollkommnen, haſt Du erreicht.“
„Ja, durch Deinen Umgang, auf die angenehmſte Art und ohne den Lehrer zu langweilen oder mich von ihm langweilen zu laſſen.— Warum ſagteſt Du vorhin, mein Vater habe Recht, mir die Rückkehr hieher nicht mehr zu erlauben?“ fragte er nach einer Pauſe, indem er ſich plötzlich aufrichtete.
„Nun, weil Du felbſt in einer andern Abſicht hieher kamſt, als nur eine Künſtlerlaufbahn einzuſchlagen.“
„Wozu ich nicht genug Talent beſitze— leider weiß ich das!“
„Nun, da Du geſcheit genug biſt, das einzuſehen, ſo brauchſt Du nicht zu ſagen: leider weiß ich das!“
„Du gibſt mir vollkommen Recht?“
„Worin?“
„Daß ich die Kunſt nur als Dilettant betreibe?“
„Gewiß, bei Deinem Verſtande und Deinem Ehrgeize. Zu etwas Großem, zu etwas ganz Außerordentlichem würdeſt Du es doch nicht bringen, und ein mittelmäßiger Künſtler zu bleiben, müßte Dich unglücklich machen.“
„Ja, ja,“ pflichtete der Andere mit einem leichten Seufzer bei, „und das iſt es ja gerade, warum ich nicht gern nach Hauſe gehe; ich werde meinem Vater keine überzeugenden Gründe entgegenſetzen können, wenn er mich anderswo hinſchickt— doch fort mit dieſem Geſpräche von Abſchied und Trennung!“ rief er aufſpringend und ſetzte, die Arme ausbreitend, hinzu:„Laß uns lieber dieſen pracht⸗ vollen, herrlichen Herbſttag vollkommen genießen, indem wir in den unausſprechlichen Schönheiten ſchwelgen, welche uns umgeben— ſchließe Dein Skizzenbuch, Roderich— komm, laß uns eine Wan⸗ derung auf die Höhe machen.“


