12 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
oder willſt Du heute Dein Skizzenbuch wieder nicht zur Hand nehmen?“
Lytton hatte ſich lang ausgeſtreckt auf den Bergabhang nieder⸗ gelaſſen und beide Hände unter ſeinen Kopf gelegt.—„Ich weiß nicht,“ ſagte er nach einer Pauſe, den Himmel betrachtend,„woher es kommt, daß ich ſo gar keine Luſt habe, etwas zu zeichnen, und ich hatte mir doch vorgenommen, eine tüchtige Ausbeute mit nach Hauſe zu bringen— ich glaube, ich hätte die Angelgeräthſchaften zu Hauſe laſſen ſollen!“
„Der Anſicht bin ich auch: es geht Dir wie dem Löwen, nachdem er einmal Blut geleckt— ehrlich geſagt, ich verſtehe es nicht, wie man im Stande iſt, ſo ausdauernd, ſo mühevoll, ja, ſo mit Anſtrengung nichts zu thun!“
„Nachher im Gaſthofe, wenn man Dir meine wunderbaren Forellen auftiſcht, wirſt Du nicht mehr der Anſicht ſein, ich hätte meine Zeit vertrödelt— da Du kein Angler biſt, kannſt Du auch nicht darüber urtheilen; verzeihe mir— o, es iſt ein großer Unter⸗ ſchied, an irgend einem trüben Waſſer zu ſtehen und aufs Gerathe⸗ wohl die Angelſchnur hineinzuwerfen, oder eine dieſer glänzenden, beweglichen und eleganten Forellen, die Du im klaren Waſſer ſtehen ſiehſt, förmlich zu überliſten— und genieße ich dabei weniger die herrliche Natur um mich her? Gewiß nicht, Jeder beutet ſie auf ſeine Art aus: Du bringſt wundervolle Zeichnungen mit nach Hauſe, ich ganz vortreffliche Fiſche— ich darf ihnen dieſes Bei⸗ wort geben, da ich ſie nicht ſelbſt erſchaffen habe.“
„Und macht Dir Dein Gewiſſen keine Vorwürfe, daß Du ſo Deine Zeit vergeudeſt?“
„Ehrlich geſagt: nein— iſt mein Zeichnen und Malen doch nur Nebenſache!“
„Aber wenn man ein ſolches Talent hat wie Du, ſo ſoll man es ausbilden!“
„Ja, wenn mein Talent bedeutend genug wäre, um ſpäter


