Teil eines Werkes 
53. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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264 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

Hellebarde lehnend. Wie viele hatte er ſchon hinausgeleitet an den

‚grünen Baumt, und wie oft war das ſchon gleichbedeutend ge⸗

weſen, als hätte er ſie zur ewigen Ruheſtätte geleitet ſie waren verſchollen und vergeſſen, man hatte nie mehr etwas von ihnen ge⸗ hört! Und nun heute wieder Einer, von dem man ja nicht wiſſen konnte, ob er ſich noch erinnern werde an die getreuen Freunde, die ihm mit feuchten Augen das Geleite gegeben und dann in einigen Tagen vielleicht ein Anderer, der abreiste, und wieder Einer, und dann wieder ein Anderer, und ſo fort!

Und über dieſen Gedanken verfiel der alte Maler in traurige Träumereien, und er ſah ſich als den Letzten, der noch übrig war, und mußte alſo ſelbſt ſeine einzige Begleitung bilden, das erhabene Kurzholz hoch in der Hand tragend, und dann pflanzte er daſſelbe dort am Wege auf einen Steinhaufen, und da blieb es wahr⸗ ſcheinlich ſtehen, lange, lange Jahre, bis ſeine bunten Bänder herab⸗ fielen, bis die Stange in ſich zuſammenbrach und bis das erhabene Kurzholz ſelbſt niederfallend zwiſchen den Steinen verſchwand!

Es war gut, daß in der allgemeinen Rührung, welche ſich ſämmtlicher Geſellen bemächtigt hatte denn Alle waren von ähn⸗ lichen Gedanken wie Walter bewegt worden, van der Maaßen ſo viel Humor behalten hatte, das hierhin wohl paſſende Lied eines Poſtillons anzuſtimmen paſſend auf die allgemeine Stimmung und beſonders auf den Ton des Poſthorns, das wie als letzten Gruß des Freundes von fern noch einmal ſchmetternd herüberklang und von welchem eine Strophe heißt:

Ein Mühlrad und ein Menſchenherz Wird ſtets umhergetrieben,

Und wenn es nichts zu reiben hat, So wird es ſelbſt gerieben.

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