Teil eines Werkes 
53. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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So leb' denn wohl, du altes Haus! 2483

um Gottes willen in Acht nehmen, daß Du nicht heute den herunterreißeſt, den Du geſtern gelobt. Darum betreibe die Sache ſyſtematiſch, lobe A., C., E., G., tadle B., D. F., H. und ſo fort, und wenn Du das ſtreng und rückſichtslos befolgſt, ſo wirſt Du noch ein gefürchteter Mann werden, bei dem ich mich vielleicht noch einmal im Vorzimmer einfinden muß, ihn um ein freundliches Wort über mein jüngſtes Werk erſuchend das iſt ſo der Lauf der Welt!

Walter klappte das Buch zu und warf es gegen Rafael, welcher es mit der uns bekannten Geſchicklichkeit in dieſen Dingen auffing. Dann ſtand der alte Maler auf und bemerkte, während er ans Fenſter trat:Nun habe ich Dir Angenehmes genug geſagt, ſo daß Du mit Deinem heutigen Sonntage zufrieden ſein kannſt; leider kann ich Dir heute nicht geſtatten, in Deinen künſtleriſchen Be⸗ ſtrebungen fortzufahren, deßhalb wirf das Mohrenſcheuſal dort in die Wolfsſchlucht, nimm das erhabene Kurzholz, wichle eine Ser⸗ viette darum und bringe es in den ‚grünen Baum Du weißt wohl, das kleine Wirthshaus mit dem großen Garten vor dem Thore auf der Anhöhe an der Landſtraße.

Gewiß, Herr Walter, ich weiß das ganz genau und werde ſogleich draußen ſein.

Du brauchſt Dich nicht gerade zu arg zu beeilen; es iſt jetzt zehn Uhr, wenn Du nur um Mittag da biſt.

Dürfte ich noch um etwas bitten, Herr Walter? ſagte Ra⸗ fael ſehr unterwürfig, indem er ſich dem alten Maler geſchmeidig⸗ näherte.Nicht wahr, Sie ſind ſo gut und ſagen draußen von dem nichts, was Sie hier geſehen? Herr Rodenberg könnte es übel nehmen und da wird auch wohl Herr Rüding dein, der über Alles ſeine Späſſe macht.

Es wäre eigentlich nicht mehr als billig, daß er Dir Gleiches mit Gleichem vergälte: doch ſei ruhig, mein Sohn; um Dir einen Beweis zu geben, wie ſehr ich Dein Talent zu ſchätzen verſtehe,