So leb' denn wohl, du altes Haus! 241
nicht dazu rathen: dieſe armen Leute ſind von einem gewöhnlich ſehr filzigen Buchhändler abhängig, ſie müſſen ſich die Seele aus dem Leibe ſchreiben, und was ſie eigentlich verdient hätten, kommt ihrem Verleger zu Gute, der wie eine Spinne mitten in ſeinem Netze ſitzt, die unglücklichen Schriftſteller einfängt und ſie ausſaugt, um von dieſem unnatürlichen Raube immer dicker und fetter zu werden. Zuweilen kommt auch das umgekehrte Verhältniß vor, doch ſind dieſe Fälle ſo ſelten, daß ſie gar nicht der Rede werth ſind— ich hoffe, Du verſtehſt mich!“
„Nicht ganz, Herr Walter.“
„Schadet auch nichts, beſonders da wir jetzt zu einer Art von Schriftſtellern kommen, bei denen das Verſtändniß der Sache, über welche ſie ſchreiben, durchaus Nebenſache iſt, und ich fürchte faſt, wir werden Dich in dieſe Kategorie einreihen müſſen. Das ſind die politiſchen Correſpondenten und Kritiker für kleinere Journale, Leute, die über Alles ſchreiben, wenn ſie auch nicht die Spur von einem Begriffe davon haben, heute über Theater, morgen über Kunſtwerke, über die neueſten Erzeugniſſe der Literatur, über gute und ſchlechte Erfindungen, wahre Menſchenfreſſer, die ſich ein Ver⸗ gnügen daraus machen, ihres Gleichen zu zerfleiſchen und lebendig zu verzehren, Vampyre, die ſelbſt kein warmes Blut haben und deßhalb mit entſetzlicher Gier an fremdem Safte ſich erlaben, um hier und da einmal einen warmen, lebendigen Tropfen in ihren kalten, ausgemergelten Körper zu bekommen, Scheuſale, die aber ein gemüthliches Leben führen, viel Geld verdienen und von armen. Künſtlern und Künſtlerinnen gefürchtet und geliebt werden, das heißt geliebt in der Art, wie der Löwe den Löwenbändiger liebt oder die Katze einen unartigen Buben, der ihr Nußſchalen unter die Füße klebt oder eine Schwanzklemme anlegt— ſo ein Kerl ſollſt Du werden, Rafael.“
„Das iſt doch wohl nicht Ihr Ernſt, Herr Walter?“
„Das iſt ſehr mein Ernſt, und Du haſt alles Zeug dazu, ein


