Teil eines Werkes 
53. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Zwölftes Kapitel.

Muſikcorps auf, um die grimmigen Bewohner der Burg durch

die bekannten Klänge des ſchon einige Mal gehörten Volksliedes: Was iſt des deutſchen Vaterland?

zur Nachgiebigkeit und zur brüderlichen Uebergabe der Burg auf⸗

zufordern.

Es war eigenthümlich, daß dieſes an ſich ſo ſchöne Lied hier eben ſo wenig wie anderswo den beabſichtigten guten Zweck er⸗ füllte, vielmehr erſchien nach Beendigung deſſelben der Burgherr Neidhart von Iſegrimm auf der Zinne ſeines Thurmes in kohl⸗ ſchwarzer Rüſtung, einen feuerfarbenen Buſch auf dem Helme, den Rücken bedeckt mit einem Scharlachmantel, nicht nur mit über einander geſchlagenen Armen und einem Hohnlächeln auf den Lippen, trotzig, übermüthig, ſiegesbewußt man war einander ſo nahe, daß man dies wahrnehmen konnte, ſondern er machte auch ſeinem Gefühle gegen die Belagerer alsbald dadurch Luft, daß er in dreimal drei Abſätzen ein koloſſales Hohngebrülle erſchallen ließ, welches um ſo verſtärkter ins Thal hinab ſchallte, da er es durch ein rieſenmäßiges Sprachrohr von ſich gab.

Nichts deſto weniger erfüllte der biedere und treue Kriegs⸗ hauptmann des Prinzen Maiwein ſeine Obliegenheit aufs er⸗ ſchöpfendſte, indem er vortrat, die weiße Fahne in der Hand, und die Burg in aller Form Rechtens zur Uebergabe aufforderte, wobei er hervorhob, daß der als Biedermann bekannte, eben ſo tapfere wie großmüthige Burgherr Neidhart von Iſegrimm es ſelber gegen die Regeln aller Ritterlichkeit halten werde, daß ein, wenngleich be⸗ kannter, doch in keinem Märchen⸗ und Fabelbuche mit irgend einer guten Eigenſchaft rühmend erwähnter Drache Griesgram dort oben die holde Freude gefangen halte, welche, dem ganzen Menſchen⸗

geſchlechte angehörend, auch von dem ganzen Menſchengeſchlechte,

welches hinter ihm, dem Herold, ſtehe, zurückgefordert werde. Hierauf erklang die Donnerſtimme des Burgherrn, aus deſſen

Auge ein verzehrendes Heldenfeuer loderte, und während er ſein