Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Ueber allen Gipfeln iſt Ruh.

Ihr zweifelhaftes Geſchenk entſprang, nehme ich es an und ver⸗ ſichere Ihnen, ich werde es auch befolgen mit dem ganzen Stolze, mit dem ganzen Hochmuthe einer Spanierin!

Damit war dieſe Unterredung beendigt, und die Eine der Beiden, welche dieſelbe geführt, verſchwand, ohne die Andere weiter eines Blickes zu würdigen. 3

Conchitta blieb noch einen Augenblick hoch aufgerichtet neben der Steinbank ſtehen, dann beugte ſie ſich, tief aufſeufzend, zu ihrem Strohhute hinab, den ſie in die Hand nahm, indem ſie durch den Garten ſchritt, nachdem ſie noch einen langen, ſchmerzlichen Blick auf die majeſtätiſche Buche geworfen, deren Stamm, ſowie der denſelben umklammernde Epheu von einem heiteren Sonnenſtrahle geküßt wurde, worüber die unzählbaren kleinen, friſchgrünen Blätter

wie vor lauter Vergnügen erzitterten.

Ueber ſie hinaus, ſowie über alle Gipfel der prächtigen Bäume

dieſes alten Parkes ſpannte ſich der klare, tiefblaue Morgenhimmel,

einen heiteren Tag verſprechend.

Ueber allen Gipfeln

Iſt Ruh,

In allen Wipfeln

Spüreſt Du 4

Kaum einen Hauch;

Die Vögelein ſchweigen im Walde, Warte nur, balde

Ruheſt Du auch

dieſe Worte des großen Dichters, die er vielleicht an derſelben Stelle erdacht, klangen zitternd durch die verwundete Seele des jungen Mädchens. 2