286 Elftes Kapitel.
raſchen Handbewegung,„aus keiner Urſache oder aus einer ſehr verwerflichen, das ſchwöre ich Ihnen hier feierlich im Angeſichte des blauen Himmels, der auf uns herabſchaut, ich ſchwöre es Ihnen gern und willig, weil ich mit Ihnen litt und auch noch mit Ihnen leide!— O, wie gern,“ fuhr ſie in weicherem Tone fort,„hätte ich Ihnen in Thränen die Verſicherung gegeben, wie tief Sie mich verletzt, wie traurig es mich gemacht, daß Sie mich in Groll und Argwohn von ſich gewieſen! Ich fühlte mit Ihnen als Weib, als Spanierin voll Stolz und Hochmuth, wie Sie vorhin geſagt, denn auch ich habe eine Ahnung davon, wie uns der Glaube erſchüttern kann, ein Herz verloren zu haben, das uns geliebt und das wir angebetet!“
„Ah!“ machte die Frau des Malers, welche bei der Erregung des jungen Mädchens beinahe auf ein Geſtändniß hoffte.
Doch fuhr Conchitta, nachdem ſie tief aufgeathmet, ruhiger
fort:„Ja, ſo fühlte ich mit Ihnen, Sennora, bis es mir durch
Ihre letzten Worte entſetzlich klar wurde, wie ſehr ich von Ihnen verkannt bin, wie grauſam falſch Sie mein Herz beurtheilen, bis ich ſchaudernd eingeſehen, wie Sie eine eben ſo wahre, innige als uneigennützige Verehrung ſo mißdeuten mochten, daß— Sie mir Ihre Lebensregel empfahlen!“
„Eben ſo wahr als paſſend!“ rief die Frau des Malers mit ihrer ganzen Unbeugſamkeit, ihrem ganzen Haſſe, indem ſie nun ebenfalls aufſprang und die Geſtalt des Mädchens, welches eben ſo ruhig als ſtolz und ſchön vor ihr ſtand, mit einem wilden, leiden⸗ ſchaftlichen Blicke überflog.—„Beherzigen Sie meine Lebensregel— talentvolle, unternehmende Künſtlerin!“
„Gut denn, ich werde ſie beherzigen— wenn ich einmal in den Fall kommen ſollte, davon Gebrauch zu machen; das verſpreche ich Ihnen, und ſeien Sie verſichert, daß ich Verſprechen zu halten pflege! Ich will Ihnen ſogar dankbar ſein für Ihren Rath, für Ihre Lebensregel; ohne weiter die Urſache zu beachten, aus der
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