Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Neuntes Kapitel.

Rafael, der mit unruhigen Blicken zugeſchaut, ſtürzte ſogleich hinzu, hob das Horn auf und rief alsdann:„O weh, o weh, da iſt etwas gebrochen, was man nicht ſogleich wieder machen kann!“

Rodenberg warf ärgerlich ſein Pferd herum, und nachdem er den Schaden nachgeſehen, befahl er dem kleinen Diener, den Rie⸗ men auf irgend eine Art wieder befeſtigen zu laſſen und ihm das Horn ſo raſch wie möglich auf den Verſammlungsplatz nachzu⸗ bringen.

Der kleine Diener hielt nicht ſobald das Hüfthorn in ſeinen Händen, als er, ohne ſich weiter um ſeinen Herrn zu bekümmern, wie eine Rakete davonſchoß, und zwar in der Richtung des Gaſt⸗ hofes zu den drei Reichskronen.

Rodenberg mit ſeinem Jägergefolge hatte ſich ebenfalls in Be⸗ wegung geſetzt, gefolgt von einer Maſſe neugieriger Buben und an⸗ geſtaunt von den Bewohnern der Wurſtgaſſe. Der wilde Jäger, welcher an der Spitze des Zuges ritt, machte einen kleinen Umweg und führte ſeine Schaar aus uns wohlbekannten Gründen durch die Fingerſtraße an dem Hauſe der Wittwe Schmitz vorüber. Er brauchte ſeinem wilden Rappen, der, mit dem Kopfe ſchüttelnd, unmuthig die Hand des ſicheren Reiters zu fühlen ſchien, nur ein wenig Luft zu laſſen, um ihm zu eben ſo unartigen als eleganten Courbetten Veranlaſſung zu geben, ein Beiſpiel, welches anſteckend auf die ganze Reiterſchaar wirkte, deren ſämmtliche Pferde unruhig wurden und ſo in der That ein maleriſch ſchönes Bild boten, eine glänzende Cavalcade, einen ſchillernden Kranz von bunten Coſtumen und leuchtenden Waffen mit dem ernſten, düſtern Mittelpunkte: dem Tod und dem Teufel.

Dort war das kleine Haus, welchem, nur Einem bewußt, die Begweglichkeit der Reitermaſſe galt; vor der Thür ſtand ein beſchei⸗ dener Einſpänner, den Michel Angelo ſoeben beſtiegen hatte, um hinaus zur Fahnenburg zu fahren, wo der kleine Kunſtfreund bei den Verzierungen hülfreiche Hand zu leiſten hatte. Er ſtreckte beim

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