Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Du ſiehſt mich an und kennſt mich nicht. 255

„Wahrhaftig, ich freue mich auf Euch!— Doch kommt jetzt zum Kaffee, wir haben nicht viel Zeit mehr zu verlieren!“ worauf ſie ſich alle in bunter Reihe um den Tiſch ſetzten, der Liebesgott zwiſchen Tod und Teufel, der wilde Jäger neben den Drachen Griesgram. 1

„Es iſt nur ein Glück,“ meinte Rüding, mit vollen Backen kauend,„daß van der Maaßen reitet, ſo kommt er doch in keine Verlegenheit, Schrauben ausziehen zu müſſen.“

„Vielleicht ſchraubt er ſeinen einen Sporn ab,“ ſagte Roden⸗ berg,„und das wäre am Ende ein Glück für ihn, wenn ſein Pferd nicht ſehr geduldig iſt.“

„Beruhige Dich,“ erwiederte der Teufel,„mein Pferd iſt ge⸗ duldig und ich trage Anſchnallſporen.“

„Hört Ihr die Muſik?“

„Wahrhaftig, ſie kommt die Gaſſe herauf!“ Und Alle eilten nun an die geöffneten Fenſter.

Mächtig brausten die kräftigen Töne zwiſchen den engſtehenden Häuſern, ſo feſt, ſicher und taktgemäß, daß Einem unwillkürlich das Gefühl des Marſchirens in die Füße kam.

Es war eine zahlreiche Muſikbande in der Tracht des Mittel⸗ alters, mit bunten, geſchlitzten Wämmſern und Hoſen, das Künſtler⸗ wappen auf der Bruſt, während an dem bauſchigen Barret die weißen und rothen Federn herabnickten— und wie war die vorhin noch ſo ſtille Gaſſe jetzt mit Einem Male ſo verändert und bevölkert: wie ein lebendiger Strom wälzte ſich eine dicht gedrängte Menſchen⸗ menge hinter der Muſik drein durch die ſchmale Straße, jedes Plätzchen überfluthend, hier den Platz, wo ein Haus etwas zurück⸗ ſtand, dort eine offen ſtehende Thür, eine ſteinerne Bank, einen Eckſtein— welche Maſſe von Neugierigen ſtand jetzt an den Fen⸗ ſtern, coſtumirt und uncoſtumirt, und wie raſch verſchwanden die erſteren wieder, ſowie ſich die Muſikbande und die Menſchenmaſſen näher wälzten! Die Meiſten eilten hinab, um ſich dem Zuge an⸗