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Erſtes Kapitel.
ſchweigen, tief aufathmend,„vor hundert Jahren wahrſcheinlich auch jener unglücklichen Braut ergangen! ſie hatte fern vom Ge⸗ wühle der Gäſte dort vor dem Altare gekniet und hatte, ſich er⸗ hebend, jenen Handgriff angefaßt.“
„Und man traf Alles ſo, wie es der Knabe geſagt?“
„Alles ganz genau: die Fallthür öffnete ſich, wenn man an der bezeichneten Stelle zog, und als man mit Leitern von oben in das Gewölbe hinabſtieg, fund man dort die ſchauerlichen Ueberreſte jener Unglücklichen.“
„Eine höchſt intereſſante Geſchichte,“ meinte der Baron;„ich fürchte, ſie kommt mir im Traume vor, und hoffe alsdann nur,“ ſetzte er, ſich galant gegen das junge Mädchen verbeugend, hinzu, „daß ein anderes, ſchönes Bild jene entſetzliche Erſcheinung ver⸗ wiſchen möge.“
„Das Gewölbe, in dem man die Unglückliche gefunden,“ fuhr Conchitta mit leiſer Stimme fort,„wurde ſinniger Weiſe zu einer Kapelle umgewandelt, in deren Mitte ſie nun in einem weißen, marmornen Sarkophage ruht. Auch wurde die Oeffnung, zu der Juan's Vater hineingeſtiegen, zu einem Bogenfenſter erweitert, durch deſſen bunte Scheiben hier und da ein Strahl der Sonne und etwas von dem milden Lichte des Mondes fällt, ſo die ſchwer laſtende Finſterniß verjagend, die hier unten Hunderte von Jahren geherrſcht.“
„In der That, ein ſchöner Gedanke,“ rief Olfers,„eine poetiſche Idee, dort bei dem Fenſter vorbeizurudern und im bleichen Mondlichte das Fenſter dieſes ſo lang verborgenen Grabes leuchten zu ſehen!“
„Und die Katze?“ fragte Margarethe;„lebt ſie noch?“
„Wenn ſie noch lebt, iſt ſie wenigſtens recht alt geworden,“ erwiederte lächelnd das junge Mädchen;„aber Juan lebt noch, und ſo viel ich weiß, trägt er auch zuweilen noch eine rothe Halsbinde, beſonders wenn er zum Stiergefechte geht,“ ſetzte ſie leiſe hinzu. Walter, der mit ſo leichten Schritten, als es ihm nur mög⸗


