Teil eines Werkes 
52. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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46 Erſtes Kapitel.

Rufe eine, wenn auch ſchwache Antwort erhielt! Wie tief es hinab⸗ ging und wohin es überhaupt ging, war ihm gleichgültig: ſein armer Knabe lebte, und das war ihm genug. Bald auch und glücklich hatte er den Boden eines ziemlich tiefen Gewölbes er⸗ reicht und hielt Juan in ſeinen Armen, der ſich hier unten befand und ihm laut weinend in die Arme fiel, um alsdann kraftlos zu⸗ ſammenzubrechen.“

„Nun, Gott ſei Dank,“ ſagte Lytton,„Ihre Erzählung hat mich förmlich warm gemacht!“

„Und beide kommen noch glücklich aus dem tiefen Gewölbe?“ fragte Margarethe.

„Gewiß, gewiß,“ fuhr lächelnd das junge Mädchen fort,„doch koſtete es Mühe, ihn hinaufzubringen. Dafür ging es aber auch im Triumphe nach dem Schloſſe zurück, wobei Vater und Mutter den Knaben abwechſelnd trugen oder ihn führten oder ihn herzten und küßten. Dann wurde er gleich ins Bett gelegt, was ſehr noth⸗ wendig war, denn es war bei Juan ein Fieber im Anzuge, welches noch am ſelben Tage aufs heftigſte ausbrach. Ach, und in dem⸗ ſelben phantaſirte er von allerlei ſchrecklichen Dingen: wie er hinuntergeſtürzt ſei, tief, tief hinunter, und lange bewußtlos ge⸗ legen, wie er endlich wieder zu ſich gekommen und umhergetappt, um zu erfahren, wo er ſei, und wie er alsdann gefunden, daß er ſich nicht allein befinde, ſondern daß neben ihm auf einem Steine eine ſchöne Dame ſitze in einem ſeidenen Kleide, aber mit einem Knochengeſichte— o, o, o, ol“ ſchloß Conchitta ſchaudernd, ein

Ausruf der Erregung, den Lytton und ſelbſt Roderich wiederholten,

während die kleine Margarethe ängſtlich näher rückte und die Hand des jungen Mädchens ergriff.

„Ja, ja,“ fuhr dieſe nach einer Pauſe, noch bleicher geworden, als ſie gewöhnlich war, kopfnickend fort, während ſie langſam rings um ſich her ſchaute,„es fand ſich ſpäter Alles ſo, wie Juan es in ſeinen Fieberphantaſien geſagt.“