Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Reiſeluſt. 239

Paſſagiere es waren deren bereits acht und darunter manch' wohlbeleibter aus der Noth eine Tugend zu machen beſchloſſen und ihn nicht böſe anſchauten, ja einige ihn ſogar freundlich an⸗ lächelten; doch war dieſes Lächeln eigentlich mehr die Folge der Beruhigung des oben erwähnten Schützens, der jetzt nämlich mit großer Seelenruhe ſagte: Machen wir uns nichts daraus, ſeien wir nur froh, daß dabei nicht irgend etwas losgegangen iſt. Auch rückten Alle ſo gut wie möglich zuſammen und da der Körpertheil, auf welchen man gewöhnlich ſich zu ſetzen pflegt, bei dem mageren Herrn Schmauder im Verein mit deſſen Schultern einen förmlichen Keil bildete, ſo war er durch das Rütteln und Schütteln des Wa⸗ gens in kurzer Zeit ſo zwiſchen ſeine Nachbarn gezwängt, daß er mit denſelben eine kompakte, unbewegliche Maſſe bildete. Dazu mochte in dem Wagen eine Hitze von ungefähr achtundzwanzig Grad herrſchen, auch war des Luftzuges halber nur ein Fenſter geöffnet und alle acht Schützen rauchten aus Pfeifen und Cigarren einen mehr oder minder ſchlechten Tabak.

Der Oberreviſor hatte bis hieher noch nicht viel von der Hitze zu leiden gehabt, jetzt aber rann der Schweiß in hellen Tropfen von ſeiner Stirne herunter und nicht allein der Wärme oder des engen Sitzens wegen, ſondern er konnte ſich auch eines unbehaglichen Gefühls nicht erwehren beim Anblick all' der Schußwaffen, die ſich im Wagen befanden, der gefüllten Pulverhörner und des beiſpiel⸗ loſen Leichtſinns, mit welchem man hier die brennenden Zündhölz⸗ chen und glimmenden Cigarren zu behandeln pflegte: da brauchte ja nur eines dieſer Pulverhörner nicht vollkommen dicht zu ſein und von ſeinem Inhalte auf den Boden rinnen laſſen, da brauchte nur eines der Gewehre loszugehen welch' gräßliches Unglück ſtand da in Ausſicht: der ganze Zug war mit Schützen beſetzt, von denen jeder Munition in hinreichender Menge mit ſich führte, viel⸗ leicht war auch noch ein Packwagen mit Schießpulver angehängt für das Schützenfeſt in Nürnberg. Wenn Herr Schmauder lebhaft daran dachte, ſo fühlte er, wie ſich ſein Haar unter der Reiſemütze