236 Reiſeluft.
„Hoch!— und abermals Hoch!“
„Ja, meine verehrten Freunde, Mitſänger, deutſche Sanges⸗ brüder! Der erhebende Gedanke deutſcher Einheit, der aus unſern Beſtrebungen hervorleuchtet, der hiedurch, im Kleinen angebahnt, gewaltig emporſtreben wird, ſeine Zweige weit emporſtreckend in die freie, deutſche Luft, die um ſo freier und deutſcher wird, je höher wir emporſteigen bis zu jenen Regionen, von denen unſer großer deutſcher Schiller das große Wort ſprach: Die Welt iſt vollkommen überall, wo der Menſch nicht hinkommt mit ſeiner Qual.“
„Bravo!— bravo!— ſehr gut!— bravo!“
„Ja, deutſche Sangesbrüder, wo der Menſch nicht hinkommt mit ſeiner QOual———— wenn auch— obgleich— ſondern — nichtsdeſtoweniger— aber— ja, aber dieſe freien Regionen, ſind ſie in unſerem verderbten, reaktionären, verdummten Jahr⸗ hundert wohl anders zu erreichen als auf freien, deutſchen Sanges⸗ flügeln?“
„Sehr gut!— bravo!— ſehr gut!“
„Laßt ſie deßhalb immerhin lächeln über die unverkennbare Gährung, welche in dieſem Augenblicke das deutſche Volk beherrſcht und welche ſich kund gibt in jenem Drange nach Vereinigung beim ſchäumenden Becher, beim fröhlichen Lied.— Wie ſagt der deutſche Dichter? ‚Wir ſind uns eines ſchönen Zieles bewußt,“ und wie ruft er ein anderes Mal? ‚Hoher Sinn liegt oft im kindlichen Spiele— und dieſes Ziel und dieſen Wahrſpruch wollen wir vor Augen behalten, deutſche Sangesbrüder, ihm nacheifernd durch Wort und Geſang, denn ſeid verſichert, deutſche Bundesbrüder und Mit⸗ ſänger, bei Sang und Becherklang, bei des Gaſtmahls fröhlichem Verein werden wir jene politiſche Reife erlangen, die uns einſt die Berechtigung gibt, an jenem großen Tage, wenn von Berg zu Berg die Feuerzeichen leuchten und wenn ſich die Sonne einer neuen Zeit glanzvoll erhebt zum Schrecken unſerer Feinde, unſere ſchwarz⸗
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