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Reiſeluſt. 3 233
kaum hatte es ſein Gegenüber bemerkt, als er unter ſichtlichem Er⸗ ſchrecken ſeine beiden Sprößlinge von den Knieen herabgleiten ließ, aufſprang und mit der jungen Dame und den beiden Elegants die Flucht ergriff, dem eintretenden Kondukteur zurufend:„Ein kranker Mann, Herr Kondukteur— es iſt ein kranker Mann auf die Eiſenbahn— bewahre uns der Himmel vor Anſteckung! Sara, wo biſt Du?“
„Hier, Papa!“ rief die junge Frau aus dem Nebenwagen, wohin ſie ſich mit ihrem Manne zurückgezogen,„ſoll ich kommen zu Dir?“
„Nein, bleib' nur wo Du biſt— wenn de noch haſt einen Platz fer uns, ſo kommen mer zu Dir.“
„Platz genug, Papa— komm nur!“
Herr Schmauder hatte in der That ein paar Augenblicke ge⸗ glaubt, es müſſe ihm etwas ganz Entſetzliches paſſiren, ja er hatte, obgleich mit zitternder Hand, langſam das Fenſter geöffnet, an dem der junge Mann ſaß, und, nicht achtend des Plakats im Wagen, ſeinen Kopf zum Fenſter hinausgebeugt— glücklicherweiſe umſonſt, denn der ſcharfe Luftzug erfriſchte ihn ſo, daß er ſchon nach einigen Sekunden im Stande war, einen tiefen Athemzug der Befriedigung zu thun.
Da pfiff auch ſchon die Locomotive gellend und anhaltend und unſer Reiſender war überzeugt, daß etwas Bewegung und ein Trunk friſchen Waſſers ihn augenblicklich herſtellen würde.
O mit welcher Sehnſucht dachte er jetzt wiederholt an die Seligkeit eines einſamen ſtillen Wirthshauſes, im Schatten weitäſtiger Buchen gelegen, neben einem friſch murmelnden Waſſer, welches in's Thal hinabhüpfte und dauft weit, weit, Stunde um Stunde durch die Ebene floß, ehe es belebte Dörfer und geräuſchvolle, qualmende Städte traf— Ach, und wie haßte er in dieſem Augen⸗ blicke alles Geräuſch, Gewühl, Gequalm der Menſchen und Städte — was hätte er darum gegeben, jetzt in einer ſolchen beneidens⸗


