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Reiſeluſt. 221 Nachbarland, welches er in einer guten Stunde zu erreichen hoffte, wie eine lichte Stelle an einem trüben Nebelhimmel; er erinnerte ſich ſo lebhaft der kleinen Eiſenbahnwagen, der gemüthlichen bayeriſchen Eiſenbahnbeamten, des vortrefflichen Biers, der warmen Würſtchen in Gunzenhauſen, die man beſonders wohlſchmeckend findet, wenn man nicht Beſitzer von Ansbacher Eiſenbahnobligationen iſt.
Auf der nächſten Station ſummten die Bienenzüchter aus dem Wagen und ſchwärmten über einen ſchmalen Feldweg eine Anhöhe hinan, auf welcher das Dorf Nebelklingen lag, deſſen Kirchthurm zur Feier des heutigen großen Tages mit einer ſchwarzrothgoldenen Fahne geziert war. Der Schreiner hat ſein Hobeleiſen mitge⸗ nommen, und als Herr Schmauder das Reſtaurationslokal betrat, um nach all' dem Erlebten eine wohlverdiente Stärkung zu ſich zu nehmen, warf er einen Blick in den Spiegel und ſah zu ſeinem großen Vergnügen, daß Salmiakgeiſt und kaltes Metall ihre Schul⸗ digkeit gethan. Wenn auch ſeine Naſe an der betreffenden Stelle immer noch ein wenig geſchwollen war, ſo ſah ſein Geſicht doch gerade nicht entſtellt aus, nur hatte die kleine Geſchwulſt ſeinen ſonſt ſo ſanften Zügen etwas Markirteres, man hätte ſagen können Energiſcheres verliehen.
Glücklicher Ort, dieſe Station: es befand ſich hier nur ein einziger Paſſagier und zwar ein junger Mann, allerdings in zahl⸗ reicher Begleitung; an ſeinem Halſe weinte eine bange Braut, und während die Mutter ſeinen Kopf mit Küſſen bedeckte, wo ſie nur gerade eine Stelle erreichen konnte, drückte ihm der Vater gerührt die Hände und ſtanden vier kleinere Brüder und ſechs erwachſene Schweſtern im Kreiſe um ihn herum mit den unverkennbarſten Zeichen inniger Theilnahme und tiefer Traurigkeit: der junge Mann machte ſeine erſte große Reiſe und zwar nach München, einer ſehr großen, ſchönen, aber dabei verführeriſchen Stadt. Endlich riß er ſich los, ſtieg ein und drückte dabei ſeinen Nachtſack wie ein Palladium an ſein Herz Hackländer's Werke. 51. Bd. 15


