242 Unter den päpſtlichen Zuaven.
ziere und Soldaten ſchaarten ſich ohne Kommando lautlos um ein anderes Grab, einem ihrer Kameraden folgend, der dort einem alten Manne beide Hände reichte und darauf ein paar Worte zu einer ſchwarz verſchleierten, weinenden Frau ſprach. Aus dieſen Beiden hatte die ganze Begleitung der jungen, ſchönen, reichen Gräfin Camilla Landerer beſtanden, wurde aber auf einmal ſo ſtattlich vermehrt durch hundert mitfühlende Herzen, welche Kunde erhalten von dem doppelten Verluſte, der Landerer getroffen, die dabei an ſo Manches dachten, an die Lieben in der Heimat, an die Vergangen⸗ heit, an die Zukunft, und wobei man manches düſtere Auge bemerkte, manchen umflorten Blick, als nun unter einem Hügel von Blumen die lieblichſte, reinſte Blüte von allen in die Tiefe der Erde hinabſank.
Dr. Bucher blieb noch eine Zeitlang in Albano, in den Kran⸗ kenhäuſern helfend, wo er konnte, und ſeinen jungen Freund trö⸗ ſtend, den er endlich, als er den Ort verließ, dringend aufforderte, ihm, ſobald Landerer hier ſeine militäriſchen Verpflichtungen mit Ehren löſen könne, in die Heimat zu folgen.
„Ja“— hatte der junge Zuave darauf mit trübem Lächeln geantwortet:„nach irgend einer Heimat.“
War es nun im Einverſtändniſſe oder als Vermächtniß des guten deutſchen Profeſſors, daß der kleine Horniſt, als die Zuaven, mit Ruhm bedeckt, wieder in Rom eingezogen waren, unter der herzlichen Begrüßung einer ihnen vordem ſo feindlich geſinnten Be⸗ völkerung, auf alle mögliche Art in dem Herzen Landerer's die Liebe zur Heimat zu erwärmen oder wieder zu erwecken ſtrebte; genug, er geſtand häufig, daß er es als eine ſchwere Enttäuſchung empfinde, dem kriegeriſchen Lorbeer nachgeſtrebt zu haben, und daß er mit einer unausſprechlichen Sehnſucht aus der ewigen Stadt an ſeine kleinen deutſchen ſpießbürgerlichen Verhältniſſe denke; ja, daß ihm die Tage verſchmähter Liebe, die er dort verlebt, jetzt im roſigſten Lichte erſchienen, und daß er es als eine große Gnade anſehen würde, wenn er wieder dazu käme, auf dem Schneider⸗
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