Teil eines Werkes 
50. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Die Spuren eines Romans. 15

denn im erſten und zweiten Stock nichts zu haben ſei, man be⸗ trachtet Dich lächelnd, achſelzuckend, und bedauert unendlich. Und doch gibt es in ſolchen Fällen ein Zauberwort, das zuweilen ſeine Wirkung thut. Verlange ein Zimmer mit zwei Betten, da Deine Frau Gemahlin mit dem nächſten Zuge nachkommen wird.

Adelgunde hatte dergleichen Kniffe nicht nöthig; für ſie war Salon und Schlafzimmer im erſten Stock beſtellt nebſt Alkoven nebenan für die Kammerfrau, und als ſie die Treppen hinaufſtieg, glich das einem förmlichen Triumphzuge, von dem Oberkellner eröffnet, geſchloſſen von einem langen Schweife von Kellnern, von denen jeder, wie die Pagen bei Marlborugh's Begräbniß, irgend eine Kleinigkeit oder auch wohl gar nichts trugen. Letztere wurden ſchnöde vor der Thüre abgeſchüttelt, die andern drangen mit in den Salon, ja, ein junger, kühner Kellner im ſchwarzen, tadelloſen, eleganten Frack und weißer Halsbinde, mit einem nichtsſagenden Geſichte und einer wunderbaren Fülle wohlfriſirter Locken hatte die Keckheit, in das Schlafzimmer voranzutänzeln und dort die Reiſe⸗ lektüre der jungen Dame, die er unterwegs der alten Kammerfrau geraubt hatte, auf dem Nachttiſchchen feierlich wie auf einen Altar niederzulegen. Ja, als er ein Lächeln der Verwunderung auf den Zügen der jungen Dame zu erblicken glaubte, unterſtand er ſich, die Bemerkung zu machen:Ah, das neueſte Werk des allverehrten Dr. Schwalbenſchwanz, den wir mit Stolz den Unſerigen nannten.

So lebte der Verfaſſer früher in dieſer Stadt?

Ja, meine Gnädige!

Und ſchrieb dieſes Buch hier?

Hier, meine Gnädige! Sehr hier, wie ich mich wohl aus⸗ drücken darf, da er die letzten Kapitel kurz vor ſeiner Abreiſe in unſerem Gaſthofe oben auf Nr. 44 im zweiten Stock beendigte.

A aaah!

Ja, meine Gnädige, ein Buch, das bei uns gerechtes Auf⸗ ſehen machte, ſehr gerechtes Aufſehen, da man nicht nur den Schau⸗