Die Spuren eines Romans.
glühende Kuß des Alles verſchönenden Tagesgeſtirns, oder milder Mondſchein, verſteht ſich bei Nacht, und im Vordergrunde dieſer allerletzten Schlußkapitel⸗Dekoration: rothblühender Weißdorn, von zahlreichen Nachtigallen bevölkert.— Ach! und wie ſie ſchlugen, dieſe Nachtigallen, und wie entzückt ſie ihnen zulauſchten— ſie— nicht das glückliche Paar, welches im vorletzten Kapitel durch Ver⸗ einigung für's Leben zu den ſeligſten aller Menſchen gemacht wur⸗ den, nein, ſie nicht ſelbſt: das wäre als allerletztes Schlußkapitel eine allzu flüchtige Arbeit, ein zu raſches Ende; nein, es ſind die Enkel jenes Paares, die nun mit einem kurzen Lebensabriß, als Dialog behandelt, durch Erzählung der weitern Schickſale von Eltern und Großeltern den geneigten Leſer zufrieden zu ſtellen hoffen.“
Adelgunde las das mit einem leichten, aber unruhigen Zucken ihrer ſchönen Schultern und einem verdrießlichen Aufwerfen ihrer reizenden Lippen.„Es iſt doch ſchade,“ ſeufzte ſie, indem ſie Buch und Hand einen Augenblick auf ihren Schooß ſinken ließ,„wie ſich ein ſonſt angenehmer, ja ich möchte faſt ſagen geiſtreicher Erzähler am Schluſſe des Buches Mühe gibt, noch langweilig, ja fade zu werden. Als wenn uns daran gelegen wäre, ſo genau von den ferneren Schickſalen jenes glücklichen Paares unterrichtet zu ſein: Gott! er hat ſie bekommen und ſie ihn— mein Liebchen, was willſt Du noch mehr? Etwas auffallend benahm ſie ſich dabei, das iſt nicht zu leugnen, und wenn ich ihre Freundin, jene Julie von Strahlen geweſen wäre, ſo hätte ich ihr zur Entſagung gerathen, denn er hat ſie doch nicht mit jener Liebe geliebt, die man im Leben zuweilen, in einem guten Roman immer verlangen kann— fort mit dieſen beiden, mein Intereſſe an ihnen iſt verſchwunden, mögen ſie ihren Kohl bauen wo ſie wollen, mögen ſie meinetwegen noch durch Enkel oder ſogar Urenkel die Leſewelt gründlich lang⸗ weilen— aber——“
In dieſem Augenblick wurde die Thür haſtig aufgeriſſen, ein uniformirter Mann erſchien in derſelben, eine Dienſtmütze mit ge⸗


